Russland bestellt deutschen Botschafter Lambsdorff ein
Russland bestellt deutschen Botschafter ein

Der diplomatische Konflikt zwischen Deutschland und Russland verschärft sich: Das russische Außenministerium hat den deutschen Botschafter Alexander Graf Lambsdorff einbestellt. Hintergrund sind angebliche Kontakte von deutschen Politikern zu Terrororganisationen. Lambsdorff traf am Vormittag im Außenministerium in Moskau ein, wie seine Sprecherin dem SPIEGEL bestätigte. Der Botschafter zeigte sich skeptisch gegenüber den Vorwürfen: „Der Einbestellung werde ich selbstverständlich Folge leisten. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass die russische Seite ihre Vorwürfe belegen kann“, zitierte ihn seine Sprecherin. Details zu den konkreten Vorwürfen seien nicht bekannt. Nach dem Termin sollen weitere Informationen folgen.

Hintergrund: Angespannte Beziehungen

Die deutsch-russischen Beziehungen sind seit Jahren stark belastet, insbesondere durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. In diesem Kontext kommt es immer wieder zu gegenseitigen Vorwürfen. Erst vor einer Woche meldete der russische Inlandsgeheimdienst FSB die Festnahme einer deutschen Staatsbürgerin. Die 1969 geborene Frau soll versucht haben, im Auftrag ukrainischer Geheimdienste einen Terroranschlag in der Stadt Pjatigorsk im Nordkaukasus zu verüben. Ziel sei eine Einrichtung der russischen Strafverfolgungsbehörden gewesen, teilte der FSB mit.

Welle von Attentaten und Festnahmen

Seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine gab es in Russland wiederholt Attentate, Bombenanschläge und andere Angriffe, bei denen Zivilisten oder Uniformierte getötet wurden. Der FSB meldet zudem regelmäßig angeblich verhinderte Terroranschläge und Festnahmen von Verdächtigen, denen Straftaten im Auftrag ukrainischer Geheimdienste vorgeworfen werden. Die Vorwürfe sind oft schwer zu überprüfen und werden von russischer Seite propagandistisch genutzt.

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Bundesregierung: Russland hinter Signal-Attacke

Parallel zu den diplomatischen Spannungen geht die Bundesregierung davon aus, dass Russland für eine Phishingkampagne gegen den Messengerdienst Signal verantwortlich ist. Zu den Opfern zählen die Bundesministerinnen Verena Hubertz (SPD) und Karin Prien (CDU) sowie Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. Aus Regierungskreisen wurde dem SPIEGEL bestätigt, dass „dieser Angriff mutmaßlich aus Russland kommt“. Die Attacke zeigt, wie intensiv die digitalen Auseinandersetzungen zwischen beiden Ländern geworden sind.

Die Einbestellung Lambsdorffs ist ein weiterer Tiefpunkt in den ohnehin angespannten Beziehungen. Beobachter rechnen mit einer Verschärfung des Konflikts, sollte Moskau die Vorwürfe nicht substanziell untermauern können. Der Botschafter selbst bleibt gelassen und kündigte an, nach dem Termin über die Ergebnisse zu informieren.

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