Trump-Dinner: Chaos und Schüsse – Ein Augenzeugenbericht
Trump-Dinner: Chaos und Schüsse – Augenzeugenbericht

Es ist kurz nach halb neun am Samstagabend im Ballsaal des Hilton-Hotels in Washington, als plötzlich Chaos ausbricht und Panik um sich greift. Tim Röhn, Leiter des Global Reporter-Netzwerks von Axel Springer, sitzt an einem der rund 200 Tische und hört dumpfe Geräusche, die sich mit der lauten Musik vermischen. Kaum eine Sekunde später werfen sich Menschen zu Boden – zuerst im Zentrum des Raums vor der Bühne, dann überall. Jemand brüllt etwas wie „Shooting“ oder „Shots fired“.

Der Moment der Angst

Auch Röhn geht sofort in Deckung, den Blick zur Bühne gerichtet. US-Präsident Donald Trump (79), der erst wenige Minuten zuvor eingetroffen war, wird in Sicherheit gebracht. Hinter dem Vorhang tauchen schwer bewaffnete Beamte auf und richten ihre Waffen auf die Menge. Secret-Service-Agenten springen durch den Ballsaal, über Tische und Stühle, Geschirr zerbricht, hochrangige Politiker werden in Deckung genommen und aus dem Saal gebracht. Es fühlt sich an wie ein Film, aber das ist nicht Hollywood, sondern die Realität: Das traditionsreiche White House Correspondents‘ Dinner, erstmals mit Donald Trump als Präsident, wird plötzlich zum Schauplatz eines Verbrechens.

War Trump das Ziel?

In diesen Sekunden fragt sich Röhn, ob Trump das Ziel war – es wäre nicht das erste Mal. Er denkt über das Thema Waffengewalt in den USA nach. Ständig und überall kommt es im Land of the Free zu Schießereien – warum nicht auch hier, beim Trump-Dinner? Er ist geschockt, aber nicht überrascht. Nach einigen Minuten erheben sich die Gäste wieder. Niemand gibt Entwarnung, aber irgendwie muss es weitergehen. Die Leute zücken ihre Smartphones, filmen und schreiben. Es ist völlig unklar, was passiert ist, klar ist nur: Niemand darf den Ballsaal verlassen.

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Der Schütze gefasst

Als durchsickert, dass ein Schütze in der Lobby festgenommen wurde, ist Röhn erleichtert. Zweimal erfolgt die Durchsage, die Veranstaltung werde gleich fortgesetzt. Doch dazu kommt es nicht. Trump selbst lädt zu einer Pressekonferenz ins Weiße Haus, das Dinner ist abgebrochen. Die Gäste werden aufgefordert, das Hotel zu verlassen.

Laxe Sicherheitsvorkehrungen

Auf dem Weg nach draußen denkt Röhn an die Sicherheitsvorkehrungen, die er schon den ganzen Abend über als überraschend lax empfunden hatte – angesichts der Anwesenheit von Trump, Vize JD Vance (41) und mehreren Ministern. Der Verkehr vor dem Hilton war zusammengebrochen, sodass Röhn 500 Meter vorher aus dem Taxi gesprungen war und den Rest gelaufen war. Direkt am Hotel: kreischende Trump-Gegner, die teils auch die Dinner-Gäste bedrängten und beschimpften. Es reichte, im Vorbeigehen den Screenshot einer Einladung zu zeigen, um auf das Gelände und ins Hotel zu gelangen. Erst wer in den Ballsaal in der unteren Etage wollte, musste durch einen Metalldetektor. Jacke ausziehen? Nicht nötig. Pass oder ID zeigen? Auch nicht. Zugang zum roten Teppich? Verschafften sich zwischendurch ein paar Aktivisten, um gegen Trump zu demonstrieren. Ist das ein angemessener Schutz für ein solch hochkarätiges Event? Röhn will sich kein endgültiges Urteil anmaßen, aber er ist sicher: Darüber wird noch diskutiert werden.

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