US-Präsident Donald Trump hat in seiner Wut über Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz am Angriff der USA auf den Iran erneut mit einem Truppenabzug aus Deutschland gedroht. Doch wen will er damit wirklich erschrecken? Die Stationierung von US-Militär in Deutschland ist kein Gnadenakt, sondern die gemeinsame Wahrnehmung gemeinsamer Interessen.
Trump holt eine alte Idee aus der Mottenkiste
Schon gegen Ende seiner ersten Amtszeit hatte Trump solche Pläne weit vorangetrieben – damals als Strafe für das aus seiner Sicht zu zögerliche Deutschland in Verteidigungsfragen. Doch an der strategischen Gemeinsamkeit hat sich nichts geändert. Die USA bleiben Deutschlands wichtigster Verbündeter, und Deutschland bleibt der Dreh- und Angelpunkt amerikanischer Macht in Afrika, Europa, dem Mittleren Osten und Zentralasien.
Wie Deutschland von den Amerikanern profitiert
Deutschland profitiert vielfältig von der US-Präsenz. Die positiven Erfahrungen aktiver und ehemaliger amerikanischer Militärangehöriger verleihen dem Bündnis Stabilität. Die Truppenpräsenz materialisiert Amerikas Beistand direkt. An ihren deutschen Standorten gehören die Amerikaner selbstverständlich zur Gesellschaft und sind ein willkommener Wirtschaftsfaktor.
Die USA profitieren ebenso
Wie sehr die USA von dieser Gemeinsamkeit profitieren, zeigt sich bei ihren Militäroperationen von Israel bis in den Irak. Die Abstützung auf Nachschub, Logistik und Führungseinrichtungen in Deutschland funktioniert reibungslos. Anders als etwa Spanien hat die Bundesregierung den Amerikanern diese Unterstützung nie verweigert – trotz Kritik am Krieg gegen den Iran.
Größe und Form der US-Truppenpräsenz haben sich zwar immer wieder verändert, aber jede Verringerung, die nicht mit der gemeinsamen Nato-Planung abgestimmt ist, würde niemanden härter treffen als das US-Militär selbst.
Stuttgart als idealer Standort
Zwei der sechs weltumspannenden regionalen Kampfkommandos der US-Streitkräfte sind in Stuttgart beheimatet – das Europa-Kommando und das Afrika-Kommando. Eine Verlegung des Europa-Kommandos in ein anderes europäisches Land wäre Verschwendung von Steuergeld, ein Abzug in die USA ein strategischer Fehler. Kein afrikanisches Land bietet eine mit Baden-Württemberg vergleichbare Infrastruktur für das Afrika-Kommando.
Trump mag es nicht kümmern, dass Deutschland bei US-Soldaten als beliebter Standort gilt. Doch ein teurer und militärisch widersinniger Truppenabzug aus gekränkter Eitelkeit wird ihm in der Heimat kaum zu mehr Popularität verhelfen – und die braucht er dringend.



