Das Pentagon hat angekündigt, 5000 US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Der Truppenabzug solle innerhalb von sechs bis zwölf Monaten abgeschlossen sein, sagte Pentagon-Chefsprecher Sean Parnell am Freitagabend. Diese Entscheidung folge einer gründlichen Überprüfung der US-Truppenpräsenz in Europa und trage den Anforderungen der Einsatzgebiete sowie den Bedingungen vor Ort Rechnung, hieß es.
Hegseth setzt Trumps Drohung um
Damit macht Verteidigungsminister Pete Hegseth Drohungen von Präsident Donald Trump wahr, die US-Präsenz in Europa zu verringern. Zuvor hatte Hegseth deutliche Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz geübt, weil dieser sich kritisch über die US-Offensive gegen Iran geäußert hatte. Merz hatte unter anderem gesagt, die Iraner würden die USA in den Verhandlungen zur Beendigung des seit zwei Monaten andauernden Krieges demütigen.
Reaktionen aus dem Pentagon
Ein Mitarbeiter des Pentagon sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die deutsche Rhetorik sei „unangemessen und nicht hilfreich“ gewesen. Der Präsident reagiere richtig auf diese „kontraproduktiven Äußerungen“.
US-Basen vor allem im Süden und Südwesten
In Europa gibt es seit Jahrzehnten Dutzende große US-Militärstützpunkte. Bei den weltumspannenden Einsätzen der Amerikaner – etwa im Nahen Osten – sind sie von enormer Bedeutung: Hier sind Truppen, Waffen, Schiffe und Flugzeuge stationiert, es werden Drohnen gesteuert oder auch Verletzte versorgt. Zu den militärisch bedeutsamsten US-Stützpunkten in Deutschland gehört die Ramstein Air Base (Rheinland-Pfalz). Für die USA ist sie die zentrale Luftdrehscheibe für Europa und den Nahen Osten. Das größte US-Militärkrankenhaus im Ausland befindet sich im rheinland-pfälzischen Landstuhl.
Der größte US-Truppenübungsplatz außerhalb der USA liegt nahe Grafenwöhr in Bayern. In Stuttgart befinden sich zudem die Hauptquartiere des Europa-Kommandos (Eucom) und des Afrika-Kommandos (Africom) der US-Streitkräfte, in Wiesbaden die Zentrale des US-Heeres in Europa. Weitere wichtige Stützpunkte unterhalten die USA in Italien und in Großbritannien.
Rund 39.000 US-Soldaten in Deutschland
Aktuell sind nach Angaben des US-Militärs von Mitte April rund 86.000 Soldaten in Europa stationiert – davon rund 39.000 in Deutschland. Die Zahl verändert sich regelmäßig, auch wegen Rotationen und Übungen. Der US-Kongress hatte Ende vergangenen Jahres einen Sicherheitsmechanismus beschlossen: Die Gesamtzahl der Streitkräfte, die dauerhaft im Zuständigkeitsbereich des Europa-Kommandos sind, darf nicht länger als 45 Tage unter 76.000 liegen. Nach aktuellem Stand würden die USA diese Mindestanzahl beim Abzug von 5000 Soldaten nicht unterschreiten. Allerdings hatte der US-Präsident zuletzt auch einen Teilabzug in Italien und Spanien ins Spiel gebracht.
Vorgeschichte: Bereits in erster Amtszeit gedroht
Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit (2017 bis 2021) mit einer Reduzierung des Truppenkontingents in Deutschland gedroht. Damals hatte er einige Monate vor seinem Abschied aus dem Weißen Haus angekündigt, er wolle 12.000 der damals rund 35.000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen. Mehrere Tausend davon sollten innerhalb von Europa verlegt werden, andere sollten in die USA zurückkehren. Trump beschrieb das Vorhaben damals als Strafaktion für die aus seiner Sicht mangelnden deutschen Militärausgaben. Sein Nachfolger Joe Biden stoppte die Pläne dann nach seinem Amtsantritt.
Jüngste Zusagen und Kehrtwende
In seiner zweiten Amtszeit hatte Trump Deutschland zunächst Hoffnung gemacht, die dort stationierten US-Soldaten in bisheriger Truppenstärke zu belassen. Bei einem Besuch von Merz in Washington im Sommer vergangenen Jahres sagte er auf Nachfrage einer Reporterin, wenn Deutschland die amerikanischen Soldaten dort haben wolle, sei er dazu bereit. „Ja, das werden wir tun. Das ist kein Problem.“ Erst im März hatte Trump dem Bundeskanzler nach dessen Angaben bei einem weiteren Besuch in Washington zugesagt, dass die USA an ihrer Truppenpräsenz in Deutschland festhalten wollten. „Das ist eine gute Nachricht, die ich aber auch anders nicht erwartet habe“, sagte der CDU-Vorsitzende nach einem Treffen mit Trump.
Regionen profitieren von US-Stützpunkten
Die Standorte der US-Truppen in Deutschland sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die jeweilige Region, etwa durch die Beschäftigung Deutscher oder den Konsum durch US-Streitkräfte. Beispiel Ramstein in der Pfalz: „Die Wirtschaftskraft der US-Militärpräsenz lässt sich pro Fiskaljahr auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar beziffern“, sagt Ralf Hechler (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Ramstein nahe dem riesigen US-Stützpunkt. Inbegriffen sind etwa Löhne, Mieten und Aufträge für lokale Firmen. Hechler sagte vor der Ankündigung zum Truppenabzug, Trump könne als Oberbefehlshaber Verlagerungen temporär rasch umsetzen. „Ob er dies dauerhaft ohne den US-Kongress machen kann, wage ich zu bezweifeln. Aber die Auswirkungen wären direkt spürbar für uns.“ Neben dem wirtschaftlichen Aspekt gehe es auch um US-Amerikaner als Nachbarn und oft Freunde.



