US-Geburtsrecht vor Supreme Court: Trump will automatische Staatsbürgerschaft einschränken
Der Oberste Gerichtshof der USA, der Supreme Court, steht vor einer der brisantesten Entscheidungen der letzten Jahre. Es geht um die Frage, ob Kinder, die auf US-Territorium geboren werden, automatisch die US-Staatsbürgerschaft erhalten – auch dann, wenn ihre Eltern nicht legal im Land sind. Präsident Donald Trump vertritt die Ansicht, dass dies nicht der Fall sein sollte, und hat per Dekret versucht, das Geburtsrecht einzuschränken. Diese Anordnung wird nun vor Gericht verhandelt, wobei Trump möglicherweise persönlich anwesend sein wird, was ein historisches Ereignis wäre.
Historische Grundlagen und aktuelle Kontroverse
Seit 1868 garantiert der 14. Zusatzartikel der US-Verfassung, bekannt als Jus Soli oder Recht des Bodens, dass fast jedes in den USA geborene Kind automatisch die Staatsbürgerschaft erhält. Der Wortlaut lautet: „Alle Personen, die in den Vereinigten Staaten geboren oder eingebürgert sind und deren Gerichtsbarkeit unterstehen, sind Bürger der Vereinigten Staaten.“ Trump argumentiert jedoch, dass dieser Artikel nie so ausgelegt wurde, dass er universell für alle gilt, und will ihn für Kinder von Eltern ohne gültige Aufenthaltspapiere, Asylsuchenden, Touristen oder temporären Arbeitskräften einschränken.
Die Sammelklage Barbara gegen Trump, eingereicht von Bürgerrechtsorganisationen wie dem Asian Law Caucus, stellt infrage, ob Trumps Dekret den Verfassungszusatz verletzt. Sie vertritt automatisch alle Kinder, die nach dem 20. Februar 2025 geboren wurden und deren Eltern weder US-Bürger noch Green-Card-Inhaber sind. Eine Entscheidung des Supreme Courts wird spätestens im Juni oder Juli erwartet.
Brisanz und gesellschaftliche Auswirkungen
Der Fall berührt die Grundfesten des amerikanischen Selbstverständnisses als Einwanderungsnation. Kritiker warnen vor der Entstehung einer Gruppe von in den USA geborenen Kindern ohne gesicherten Status, was laut Prognosen des Migration Policy Institute und der Penn State University die Zahl der Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung bis 2045 um 2,7 Millionen und bis 2075 um 5,4 Millionen erhöhen könnte. Rechtlich gesehen handelt es sich um einen Machtkampf zwischen Exekutive und Verfassung, bei dem Trump versucht, die Verfassung ohne die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit im Kongress umzudeuten.
Argumente und historische Präzedenzfälle
Trump interpretiert die Gerichtsbarkeit im 14. Zusatzartikel als rechtlichen Status, der nur für dauerhaft und rechtmäßig im Land Verwurzelte gilt. Gegner verweisen dagegen auf das Grundsatzurteil im Fall Wong Kim Ark von 1898, in dem der Supreme Court entschied, dass der Geburtsort und nicht die Herkunft der Eltern entscheidend ist. Damals wurde einem in San Francisco geborenen Sohn chinesischer Einwanderer die Staatsbürgerschaft zugesprochen, trotz rassistischer Gesetze gegen seine Eltern.
Vergleich mit Deutschland
In Deutschland wird die Staatsbürgerschaft für geborene Kinder ausländischer Eltern anders gehandhabt. Laut Bundesinnenministerium erwerben sie die deutsche Staatsangehörigkeit nur, wenn mindestens ein Elternteil seit fünf Jahren rechtmäßig in Deutschland lebt und ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzt. Diese Kinder erhalten dann sowohl die deutsche als auch die Staatsangehörigkeit ihrer Eltern, was im Gegensatz zum US-System steht, wo das Geburtsrecht bisher universeller gilt.
Die Verhandlung vor dem Supreme Court markiert einen kritischen Moment für die US-Einwanderungspolitik und könnte langfristige Auswirkungen auf Millionen von Familien haben. Die Entscheidung wird mit Spannung erwartet, da sie nicht nur rechtliche, sondern auch gesellschaftliche Normen in Frage stellt.



