Dramatische Einigung kurz vor Ultimatum: USA und Iran verkünden Waffenruhe
In einer dramatischen Nacht haben sich die Vereinigten Staaten und der Iran kurz vor Ablauf eines Ultimatums von US-Präsident Donald Trump auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt. Die Feuerpause wurde etwa 90 Minuten vor Fristende verkündet und umfasst auch die Öffnung der strategisch wichtigen Straße von Hormus für den Schiffsverkehr. Diese Meerenge ist für den weltweiten Ölhandel von entscheidender Bedeutung.
Trumps Ultimatum und pakistanische Vermittlung
US-Präsident Trump hatte zuvor gedroht, den iranischen Energiesektor sowie Infrastruktureinrichtungen wie Brücken anzugreifen, sollte es nicht bis heute um 2.00 Uhr deutscher Zeit zu einer Einigung kommen. „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen, um nie wieder zurückzukehren“, hatte der amerikanische Präsident sogar gewarnt. Die Wende brachte offenbar die Intervention des pakistanischen Premierministers Shehbaz Sharif, der Trump auf der Plattform Truth Social bat, von den angedrohten Angriffen auf Irans Kraftwerke abzusehen.
Trump erklärte daraufhin, man habe einen Zehn-Punkte-Vorschlag aus dem Iran erhalten, der eine „praktikable Grundlage für Verhandlungen bietet“. Irans Außenminister Abbas Araghtschi bestätigte in einer offiziellen Erklärung, dass der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus wieder ermöglicht werde.
Ölpreise reagieren sofort – Börsenkurse steigen
Die Finanzmärkte reagierten unmittelbar auf die Nachricht von der Einigung. Die Ölpreise gaben deutlich nach, während gleichzeitig die Börsenkurse in Asien kräftig anzogen. Diese Entwicklung unterstreicht die globale wirtschaftliche Bedeutung der Straße von Hormus, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Öltransports fließt.
Reaktionen aus Teheran und internationale Stellungnahmen
In der iranischen Hauptstadt Teheran strömten zahlreiche Menschen in der Nacht auf die Straßen. Am Revolutionsplatz im Stadtzentrum versammelten sich jubelnde Regierungsanhänger, wie der iranische Sender SNN TV berichtete. Ein Reporter des Senders, der den paramilitärischen Basidsch-Milizen nahesteht, kommentierte, Trump habe sich den iranischen Forderungen gebeugt.
Die Vereinten Nationen begrüßten die Feuerpause und forderten die Kriegsparteien zu deren strikter Einhaltung auf. Ein Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres betonte, dies sei notwendig, „um den Weg für einen dauerhaften und umfassenden Frieden in der Region zu ebnen“. In den USA reagierten einige Spitzenpolitiker verhalten auf die Entwicklung. Der demokratische Senator Richard Blumenthal schrieb auf X: „Eine Waffenruhe ist eine gute Nachricht – allerdings nur, weil dieser sinnlose Krieg so schnell wie möglich beendet werden sollte. Eine Waffenruhe ist für das amerikanische Volk kein Sieg.“
Weiterhin Raketenbeschuss aus dem Iran
Trotz der verkündeten Feuerpause geriet Israel in der Nacht weiter unter Raketenbeschuss aus dem Iran. In der Stadt Tel Sheva wurden nach Angaben des Rettungsdienstes drei Minderjährige durch iranische Streumunition leicht verletzt. Auch aus Petach Tikva und Bnei Brak gab es Berichte über Einschläge, wie die Nachrichtenseite „ynet“ meldete. Im Westen des Irans wurden ebenfalls noch vereinzelt Explosionen gemeldet.
Israelische Position und unterschiedliche Interpretationen
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte, Israel unterstütze Trumps Entscheidung zur Waffenruhe. Allerdings betonte er, die zweiwöchige Feuerpause gelte nicht für den Libanon. Diese Aussage steht im Widerspruch zu einer Mitteilung von Pakistans Premier Sharif, der auf X schrieb, die Waffenruhe gelte auch für den Libanon. Von dort feuert seit Kriegsbeginn die mit dem Iran verbündete Hisbollah-Miliz auf Israel.
Netanjahu unterstrich zudem, Israel stehe hinter den Bemühungen der USA, sicherzustellen, dass der Iran keine Atom-, Raketen- und Terrorbedrohung mehr für Amerika, Israel, die arabischen Nachbarn des Irans und die Welt darstellt. Die USA hätten Israel mitgeteilt, dass sie sich in den anstehenden Verhandlungen für die Erreichung dieser gemeinsamen Ziele einsetzen werden.
Details zum iranischen Zehn-Punkte-Plan
Der vom Iran vorgelegte Zehn-Punkte-Vorschlag zur Beendigung des Krieges ist laut US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt die Grundlage für die anstehenden Verhandlungen. Obwohl die iranische Regierung ihre Forderungen offiziell nicht öffentlich gemacht hat, berichteten regierungsnahe Medien über Details. Demnach umfasst der Plan folgende Punkte:
- Beendigung des Krieges an allen Fronten, einschließlich im Libanon
- Kontrollrechte des Irans über die Straße von Hormus
- Erlaubnis zur Urananreicherung unter bestimmten Bedingungen
- Aufhebung internationaler Sanktionen und Strafmaßnahmen des UN-Sicherheitsrats
- Kriegsentschädigungen
- Abzug der US-Streitkräfte aus der Region
Laut der Nachrichtenagentur Fars verpflichtet sich der Iran im Gegenzug, niemals Atomwaffen herzustellen und die Urananreicherung nach Verhandlungen einzuschränken. Teheran stimme außerdem zu, mit anderen Ländern in der Region über Friedensabkommen zu sprechen.
Verhandlungen in Islamabad geplant
Pakistan, das als Vermittler auftritt, erklärte, die Waffenruhe greife mit sofortiger Wirkung. Premierminister Sharif lud Delegationen der USA und des Irans für weitere Gespräche am Freitag in die pakistanische Hauptstadt Islamabad ein. Dort sollen sie über ein endgültiges Abkommen zur Beilegung des Konflikts verhandeln.
Das Pentagon kündigte unterdessen eine Pressekonferenz mit US-Verteidigungsminister Pete Hegseth und Generalstabschef Dan Caine für heute 14.00 Uhr MESZ an. Die Einigung auf die Waffenruhe erfolgte zudem kurz vor einem heutigen Treffen Trumps mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte im Weißen Haus, bei dem es auch um Trumps heftige Kritik am Bündnis gehen dürfte.



