Berlin – Die jüngste Aufforderung des Kremls an ausländische Botschaften in Kiew, ihr Personal zu evakuieren, hat in Berlin für Empörung gesorgt. Bundesaußenminister Johann Wadephul (63, CDU) reagierte in BILD mit deutlichen Worten und bezeichnete die Drohungen gegen diplomatische Vertretungen als „inakzeptabel“. Er wertet sie als „ein Zeichen der Panik, die in Moskau umgeht, weil die Konsequenzen der endlosen Kette schwerster Fehlentscheidungen Putins nicht mehr zu verstecken sind“.
Wadephul: Krieg ist „fortlaufendes Verbrechen“
Der Außenminister betonte, der Krieg gegen die Ukraine sei „ein fortlaufendes Verbrechen“. Mit jedem weiteren Tag beweise der Kreml seine „absolute Verachtung gegenüber den eigenen Soldaten, die als Kanonenfutter zu Tausenden in verlorene Schlachten geschickt werden“. Nach Schätzungen des ukrainischen Generalstabs soll Russland seit Kriegsbeginn 1,3 Millionen Soldaten verloren haben – darunter Gefallene, Vermisste und Verletzte.
Scharfe Kritik an Moskau
Wadephul kritisierte Moskau scharf: „Das Regime weiß genau, dass seine eigene Bevölkerung die geplante Siegesparade vor diesem Hintergrund nur als Hohn empfinden kann.“ Er forderte eine 180-Grad-Wende vom Kreml. „Die einzig richtige Entscheidung wäre jetzt, die Aggression gegen die Ukraine zu beenden“, sagte der Minister. „Präsident Selenskyj hat dazu in dieser Woche ein konkretes Angebot für eine Waffenruhe gemacht, das ich sehr unterstützt habe. Putin hat dies ausgeschlagen und mit Bomben und Raketen auf ukrainische Zivilisten geantwortet.“
Hintergrund: Kreml-Drohung mit Vergeltungsschlag
Auslöser der Empörung ist eine Verbalnote des russischen Außenministeriums an ausländische Botschaften, in der gewarnt wird, sie sollten die „rechtzeitige Evakuierung von Personal aus diplomatischen und anderen Vertretungen sowie von Bürgern aus der Stadt Kiew sicherstellen“. Sollte die Ukraine die Gedenkfeier am 9. Mai in Moskau stören, werde es einen russischen „Vergeltungsschlag“ auf die ukrainische Hauptstadt geben. Kreml-Diktator Wladimir Putin (73) droht damit unverhohlen mit einem Mega-Angriff auf Kiew. Jahr für Jahr lässt Putin eine Protz-Parade auffahren, um den Sieg über Hitler-Deutschland zu feiern. Abstoßend: Inzwischen werden dabei in der Ukraine eroberte Kampfpanzer ausgestellt.
Deutschland lässt sich nicht einschüchtern
Wadephul betonte mit Nachdruck die Unterstützung Deutschlands für Kiew. „Wir stehen weiter an der Seite der Ukraine und lassen uns nicht einschüchtern“, machte der Minister klar. In Bezug auf die indirekte Drohung gegen das Botschaftspersonal in Kiew erklärte Wadephul, man beobachte die Sicherheitslage in der Stadt genau und stehe in engem Kontakt mit anderen diplomatischen Vertretungen vor Ort.



