Die Berliner Polizei hat eine positive Bilanz des diesjährigen 1. Mai gezogen. Trotz teils aggressiver Stimmung bei den zahlreichen Demonstrationen und Straßenfesten verlief der Feiertag weitgehend friedlich. Nur im Görlitzer Park mussten die Einsatzkräfte eingreifen, allerdings nicht aufgrund von Gewalt, sondern wegen Überfüllung.
Große Demo von Linken und Linksextremen
Bei der großen Demonstration linker und linksextremer Gruppen am Abend wurden nach ersten Zählungen lediglich drei Festnahmen wegen Störungen verzeichnet, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Etwa 10.000 Demonstranten zogen durch die Stadtteile Kreuzberg und Neukölln. Vereinzelt kam es zu Rangeleien, und es wurden bengalische Feuer gezündet. In früheren Jahren hatte es am 1. Mai in Berlin oft schwere Randale gegeben, zuletzt war es jedoch ruhiger geworden.
Im gesamten Tagesverlauf gab es Festnahmen im mittleren zweistelligen Bereich – sowohl bei den Demonstrationen als auch bei den Straßenfesten und Feiern in Parks. Einige Polizisten wurden leicht verletzt, teilweise bei Widerstandshandlungen.
Friedlicher Abschluss der Abenddemo
Die große Demonstration linker und linksextremer Gruppen endete am späten Abend friedlich und ohne Gewaltausbrüche. Trotz teils aggressiver Stimmung und der Teilnahme eines sogenannten schwarzen Blocks von Linksautonomen gab es keine Gewalt, Ausbrüche oder Angriffe auf die Polizei. Nach etwa vier Stunden erreichte der Demonstrationszug den geplanten Endpunkt in Kreuzberg. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf rund 10.000. Viele mussten zwischenzeitlich lange warten, da es zu zahlreichen Verzögerungen kam, unter anderem wegen der vielen Feiernden in den Straßen der Hauptstadt.
Rund 5300 Polizisten aus mehreren Bundesländern sicherten die zahlreichen Demonstrationen und Veranstaltungen. Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sprach im RBB von knapp 50.000 Menschen, die sich zum Tag der Arbeit in der Hauptstadt versammelt hatten.
Protest gegen Zaun um Görlitzer Park
Wegen der Menschenmassen wurde der Görlitzer Park am Abend geschlossen. Der Park wurde zwar nicht geräumt, aber weitere Besucher durften nicht mehr hinein, so ein Polizeisprecher. Tausende Menschen protestierten bei einer Techno-Demo gegen die nächtliche Schließung der Anlage. Der Park wird nach jahrelangen Debatten seit Anfang März jeden Abend um 22 Uhr geschlossen. Am Freitagabend verzichtete der Senat jedoch vorsorglich auf die Schließung wegen der Partys und Demonstrationen.
Wegen der Menschenmassen in Berlin-Kreuzberg waren am 1. Mai viele Straßen für Autos gesperrt. Mehrere U-Bahnhöfe wurden wegen Überfüllung geschlossen, die Züge hielten dort nicht mehr. Voller Menschen war auch der Mariannenplatz, als dort am Abend die Berliner Rapperin Ikkimel beim 1.-Mai-Fest der Linken auftrat.
Gewerkschaften machen gegen Stellenabbau mobil
Bereits am Vormittag demonstrierten Menschen im Villenviertel Grunewald gegen soziale Spaltung und hohe Mieten. „Sozialen Sprengstoff fachgerecht entschärfen“, hieß es bei einer Aktion. Am Tag der Arbeit protestierten auch Tausende gegen Stellenabbau und Kürzungen bei Sozialleistungen. An der Demonstration und Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) beteiligten sich in der Hauptstadt nach Gewerkschaftsangaben rund 12.000 Menschen. Sie gingen unter dem Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ auf die Straße.



