Berlin hat den Tag der Arbeit 2026 erneut weitgehend friedlich erlebt. Nach Angaben der Polizei verliefen die zahlreichen Demonstrationen und Feierlichkeiten am 1. Mai ohne größere Ausschreitungen. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sprach am Abend von rund 50.000 Menschen, die sich in der Hauptstadt versammelt hatten. Rund 5.300 Polizisten aus mehreren Bundesländern waren im Einsatz, um die Veranstaltungen zu sichern.
Revolutionärer 1. Mai: 10.000 Demonstranten unterwegs
Im Fokus der Sicherheitskräfte stand die traditionelle Demonstration „Revolutionärer 1. Mai“ von linken und linksextremen Gruppen. Etwa 10.000 Teilnehmer zogen am Abend durch die Bezirke Kreuzberg und Neukölln. Die Polizei meldete zunächst keine größeren Zwischenfälle. Vereinzelt kam es zu Rangeleien, und es wurde bengalisches Feuer gezündet. Ein Polizeisprecher berichtete von einer vorläufigen Festnahme.
Wegen der vielen feiernden Menschen in Kreuzberg zerfaserte der Demonstrationszug jedoch. Während die Spitze bereits in Neukölln war, befand sich das Ende noch in der Oranienstraße in Kreuzberg. Die Strecke zwischen diesen Punkten betrug etwa drei Kilometer, mit großen Lücken im Zug. Die Situation war unübersichtlich, und die Teilnehmer mussten teilweise eine halbe Stunde warten, bevor sie weiterziehen konnten. Schließlich wurde die Wegstrecke angepasst.
Wegner: Gewalt wird nicht geduldet
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hatte bereits vor der Demonstration betont, dass Gewalt nicht akzeptiert werde. „Wir sind bestens vorbereitet, wenn es darum geht, Ausschreitungen zu verhindern“, sagte Wegner bei einem Besuch der Feuerwache in der Wiener Straße in Kreuzberg.
Görlitzer Park wegen Überfüllung geschlossen
Aufgrund der Menschenmassen wurde der Görlitzer Park am Abend geschlossen. Der Park wurde nicht geräumt, aber es durften keine weiteren Personen mehr hinein, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Ein Verlassen war jederzeit möglich. Mit dieser Maßnahme sollte Platz für Rettungskräfte geschaffen werden. Tausende Menschen protestierten bei der Techno-Demo „Free Görli – Rave against the Zaun“ gegen die nächtliche Schließung der Anlage. „Der Görli bleibt auf“ war auf einem Transparent zu lesen. Der Park wird seit Anfang März jeden Abend um 22.00 Uhr geschlossen, nach jahrelangen Debatten. Am Donnerstag- und Freitagabend verzichtete der Senat jedoch vorsorglich auf die Schließung, um den erwarteten Menschenmassen Rechnung zu tragen.
Wegen der Menschenmassen in Kreuzberg waren auch die umliegenden Straßen für Autos gesperrt. Mehrere U-Bahnhöfe wurden geschlossen, die Züge hielten dort nicht mehr. Voller Menschen war auch der Mariannenplatz, als dort am Abend die Berliner Rapperin Ikkimel beim 1. Mai-Fest der Linken auftrat.
Polizei: Crowd-Management im Vordergrund
Insgesamt verlief der Tag der Arbeit in Berlin friedlich, sagte Polizeisprecher Florian Nath. „Wir sind momentan eher im Crowd-Management unterwegs“, berichtete er am frühen Abend. Zahlreiche Menschen strömten nach Kreuzberg. „Berlin ist groß genug. Es gibt nicht nur diesen einen Bereich zum Feiern“, fügte er hinzu. Dennoch blieben Zwischenfälle nicht aus: Ein Mann in Kreuzberg warf eine Flasche auf ein Polizeifahrzeug und wurde festgenommen. Dabei leistete er Widerstand, sodass zwei Polizisten leicht verletzt wurden.
Protest im Villenviertel Grunewald
Bereits am Vormittag demonstrierten Menschen im Villenviertel Grunewald gegen soziale Spaltung und hohe Mieten. „Sozialen Sprengstoff fachgerecht entschärfen“, hieß es bei einer Aktion.
Gewerkschaften protestieren gegen Stellenabbau
Am Tag der Arbeit protestierten Tausende Menschen auch gegen Stellenabbau und Kürzungen bei Sozialleistungen. An der Demonstration und Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) beteiligten sich in der Hauptstadt nach Gewerkschaftsangaben rund 12.000 Menschen. Sie gingen unter dem Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ auf die Straße.
Protest auch gegen Rentenkürzungen
„Angriffe auf den Acht-Stunden-Tag, Rentenkürzungen, Arbeitsplatzabbau: Wir Beschäftigte zahlen nicht die Zeche für Versäumnisse der Politik und Fehlentscheidungen der Wirtschaft“, sagte die Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg, Katja Karger. Sie forderte: „Schluss mit Tarifflucht, Lohndumping und miesen Arbeitsbedingungen.“



