Abschlussfeiern nach dem Abitur haben sich in Thüringen in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Was früher oft eine schlichte Zeugnisübergabe in der Aula war, ist heute häufig ein aufwendiges „Red-Carpet-Event“. Uta Tannhäuser, Geschäftsführerin im Thüringer Landesverband der Schulfördervereine, beobachtet diesen Trend seit etwa den 2010er Jahren. Immer mehr Schulen trennen die offizielle Feier von einer privaten, oft großen Abiball-Veranstaltung.
Corona verschärft die Situation
Die Corona-Pandemie hat laut der Landeselternvertretung (LEV) die Lage zusätzlich erschwert. Da in den Lockdown-Jahren keine Abschlussbälle stattfinden konnten, fehlten den aktuellen Jahrgängen die Erfahrungen ihrer Vorgänger. Dies macht den Umgang mit steigenden Preisen und organisatorischen Hürden noch schwieriger.
Hohe Kosten für Location und Catering
Allein die Miete für eine geeignete Location kostet oft mehrere tausend Euro. Hinzu kommen Ausgaben für Catering, Technik und Dekoration. Die Vorlaufzeit für die Buchung beträgt inzwischen 12 bis 18 Monate. Zudem wird es immer schwerer, Gastronomen für das Catering zu gewinnen. Die Schüler engagieren sich zwar stark beim Spendensammeln, oft unterstützt von Fördervereinen, doch reicht das häufig nicht aus, sodass Eltern einspringen müssen.
Kreative Finanzierungsmodelle
Ben Kottek, stellvertretender Vorsitzender der Landesschülervertretung Thüringen, sieht die Finanzierung als größte Herausforderung. Neben klassischen Methoden wie Kuchenverkäufen und Sponsoring durch lokale Unternehmen nutzen viele Klassen soziale Medien, um Einnahmen zu generieren. „Es ist inzwischen üblich, dass Klassen bereits in der zehnten Klasse einen Social-Media-Account für den Abiball einrichten“, so Kottek. Über Werbung und Sponsoren können so zusätzliche Gelder fließen.
Eine besonders kreative Idee stammt von einer Schule, die Lehrer-Sammelkarten im Stil von Pokémon-Karten entworfen und verkauft hat – natürlich mit Einverständnis der Lehrer. Soziale Medien dienen nicht nur als Einnahmequelle, sondern auch zum Austausch von Ideen für Organisation und Finanzierung. Allerdings warnen Experten davor, dass die Ansprüche dadurch nicht überborden sollen.
Rechtliche Hürden für Minderjährige
Da viele Abiturienten noch minderjährig sind, müssen bei Verträgen für Location oder Haftpflichtversicherung oft Fördervereine oder Eltern einspringen. „Diese Verantwortung ist nicht zu unterschätzen“, betont Tannhäuser. Fördervereine seien dafür besser geeignet als Einzelpersonen, da sie vom Landesverband beraten werden können. Wichtig sei es, Verträge genau zu lesen und Rahmenbedingungen zu kennen, um böse Überraschungen zu vermeiden.
Chancen für die Persönlichkeitsentwicklung
Trotz aller Herausforderungen sieht Tannhäuser die Entwicklung positiv: „Es wird wieder gefeiert und getanzt.“ Die Planung eines Abiballs biete jungen Menschen die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und erste Erfahrungen im Ehrenamt zu sammeln. Entscheidend für den Erfolg sei eine gute Kommunikation zwischen Schülern, Förderverein, Eltern und Schule. Für die Zukunft wünschen sich alle Beteiligten, dass die gesammelten Erfahrungen an nachfolgende Generationen weitergegeben werden, um einen reibungslosen Ablauf dieses wichtigen Tages zu ermöglichen.



