Wassermassen überfluten Vorpommern nach Schneeschmelze und Dauerregen
Anhaltende Schneeschmelze kombiniert mit ergiebigem Dauerregen hat in weiten Teilen Vorpommerns zu erheblichen Überschwemmungen geführt. Bei weiterhin gefrorenen Böden konnten die enormen Wassermengen nicht versickern und überfluteten stattdessen Straßen, Wege und zahlreiche Keller. Die Rettungsleitstelle verzeichnete zwischen Donnerstagmittag und Freitagmorgen insgesamt 61 wetterbedingte Einsätze, wie Florian Stahlkopf aus der Kreisverwaltung mitteilte.
Großeinsatz in Rossow mit 60 Einsatzkräften
Der nach Einschätzung von Pasewalks Feuerwehrführer Marco Freuer größte Einsatz in der Uecker-Randow-Region fand in Rossow statt. Dort waren seit Donnerstagabend 60 Kräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk ununterbrochen im Einsatz, um fünf Wohnhäuser in zwei Straßen vor den Wassermassen zu schützen. Mit Sandsäcken und leistungsstarken Pumpen versuchten die Einsatzkräfte, das Wasser von den Gebäuden fernzuhalten. Ein Bagger zog zusätzlich einen Ablaufgraben, um den Wasserabfluss zu verbessern.
„Einen Meter hoch und höher stand das Wasser in den Kellern“, berichtete Löcknitz' Gemeindewehrführer Enrico Harms. Trotz aller Bemühungen seien tausende Liter in die Häuser gelaufen. Der Einsatz dauerte bis in den Freitag hinein und erforderte Kräfte aus Rossow, Zerrenthin, Löcknitz, Bergholz, Plöwen und Boock.
Weitere Brennpunkte in der gesamten Region
Zu den Schwerpunkten der Einsätze gehörten neben dem Raum Pasewalk, Löcknitz und Penkun auch Jarmen, Tutow, Loitz, Anklam und Usedom. Freiwillige Feuerwehrleute kämpften dort unterstützt vom Technischen Hilfswerk aus Pasewalk, Greifswald und Wolgast gegen die Wassermassen. Personen kamen bislang nicht zu Schaden, wie der Landkreis-Sprecher am Freitagvormittag mitteilte.
In Friedberg, einem Ortsteil von Pasewalk, pumpten Einsatzkräfte fünf Stunden lang mit einer Leistung von 6000 Litern Wasser pro Minute. „Der Dauerfrost steckt im Boden, das Wasser konnte nicht ablaufen und lief natürlich zum tiefsten Punkt“, erklärte Feuerwehrführer Marco Freuer die Situation. Das THW grub mit einem Radlader eine Ablaufrinne, und gegen Mitternacht konnte der Einsatz beendet werden.
Verkehrsbehinderungen und weitere Herausforderungen
Die Landesstraße 321 zwischen Pasewalk und Viereck war am Freitag halbseitig überschwemmt. Feuerwehrleute stellten ein Warnschild auf, um Autofahrer vor Aquaplaning zu warnen. In Louisenhof, einem Ortsteil von Ferdinandshof, war mitten im Dorf die Straße überflutet. „Das ist ein Fass ohne Boden. Das Wasser fließt immer wieder nach“, beschrieb Einsatzleiter Maik Kremkow die Situation.
In Penkun fiel in der Nacht zum Freitag großflächig der Strom aus. Erst gegen 5 Uhr sprangen Heizungen und Lampen wieder an. Ob dieser Ausfall mit den Wassermassen zusammenhängt, war am Freitag noch unklar.
Landrat dankt den Einsatzkräften
Landrat Michael Sack (CDU) betonte am Freitag die Bedeutung des Engagements der Einsatzkräfte und dankte ihnen ausdrücklich. „Seit gestern sind zahlreiche Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren und des Technischen Hilfswerks unermüdlich im Einsatz“, sagte der Politiker. „Dieses professionelle Handeln zeigt, wie verlässlich unsere Hilfs- und Rettungskräfte sind. Ihr Dienst für die Gemeinschaft, ihr freiwilliges Engagement, kann nicht hoch genug gewürdigt werden.“
Weitere Frostgefahr droht
Die Situation könnte sich noch verschärfen, wenn die zahlreichen Pfützen, Lachen und temporären Teiche auf Straßen, Wegen und Plätzen gefrieren. Der Deutsche Wetterdienst hat für das Wochenende in Mecklenburg-Vorpommern wieder Temperaturen bis zu minus 5 Grad angekündigt. Dies würde zu gefährlichen Glatteisbildung auf den überfluteten Flächen führen und die Arbeit der Einsatzkräfte weiter erschweren.



