Schleswig-Holstein: Bischöfin will von evangelischer Schule in MV lernen
Bischöfin will von evangelischer Schule in MV lernen

Schleswig-Holstein: Bischöfin will von evangelischer Schule in MV lernen

Eine Kirchengruppe aus Schleswig-Holstein hat die evangelische Schule in Hagenow besucht, um sich inspirieren zu lassen. Der Grund: Das Bundesland hat nichts Vergleichbares.

Hagenow • Lesedauer: 2 min

Schleswig-Holstein verfügt über viele evangelische Kindertagesstätten, die sehr beliebt sind und gut angenommen werden. Evangelische Schulen sind dort jedoch Mangelware. Das könnte sich nach der Idee der Bischöfin im Sprengel Schleswig und Holstein, Nora Steen, und einiger Mitglieder der Kirchenleitung bald ändern. „Wir haben so viele Kinder in unseren kirchlichen Kindergärten, aber mit der Einschulung endet unser Angebot“, erläutert die Bischöfin.

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Voneinander lernen

Sie ist daher mit einer Gruppe von Pröpsten und Kirchenleitungsmitgliedern nach Hagenow gereist, um sich über das besondere Schulprofil zu informieren. „In Mecklenburg-Vorpommern gibt es 18 evangelische Schulen, in Schleswig-Holstein zwei, die alle von der Evangelischen Schulstiftung verwaltet werden“, erläutert Matthias Bernstorf. Er ist in der Nordkirche für Bildung und Schule in Mecklenburg-Vorpommern zuständig und begleitet die Delegation.

Die evangelische Schule „Dr. Eckart Schwerin“ in Hagenow wurde 2003 von einer Elterninitiative gegründet, weil diese sich eine Schule mit einem reformpädagogischen, von christlichen Werten getragenen Ansatz wünschten. Heute werden hier 205 Kinder vom Grundschulalter bis zur Orientierungsstufe von einem pädagogischen Team von 13 Lehrkräften und fünf Erziehern unterrichtet. Seit dem Schuljahr 2024/2025 werden die Kinder ganztags betreut. Dabei öffnet der Frühhort um 6.45 Uhr und der Schultag endet um 17 Uhr.

Die Schule hat keine Klassenstruktur, sondern setzt auf altersgemischte Lerngruppen. Zudem bekommen die Kinder keine Noten, sondern eine umfangreiche schriftliche Beurteilung, bei der auf ermutigende Formulierungen geachtet wird, wie Schulleiterin Anika Blättrich den Gästen aus Schleswig-Holstein erläutert. „Wir wollen den Kindern deutlich machen, dass einem manches leicht fällt und man sich anderes erarbeiten muss“, so Blättrich.

Mehr Motivation und selbstständiges Lernen

Das führe in nahezu allen Fällen zu mehr Motivation und dazu, dass die Kinder sich Lernstrategien aneignen, die zu ihrer Persönlichkeit passen. „Mittlerweile sind viele unserer Kinder schon mit Schule und Ausbildung fertig und wir hören immer wieder, dass sie gelernt haben, wie man selbstständig lernt“, erzählt Blättrich.

Ihr und ihren Kollegen ist es wichtig, dass die Kinder nicht nur Wissen sammeln, sondern auch andere Fähigkeiten schulen, so insbesondere Empathie, Kritikfähigkeit und einen respektvollen Umgang mit allem, was ihnen begegnet. „Das funktioniert für uns gut, und wir bekommen von den weiterführenden Schulen auch die Rückmeldung, dass unsere Kinder sehr sozial sind und sich in die Gemeinschaft einbringen“, berichtet die Pädagogin.

Das alles beeindruckt die kirchliche Besuchergruppe. „Mich fasziniert auch, wie ungezwungen der christliche Glaube hier gelebt wird“, sagt Nora Steen. Sie habe nicht den Eindruck, dass hier jemandem etwas übergestülpt würde, sondern dass der Umgang mit den christlichen Traditionen das schulische Leben einfach ganz selbstverständlich prägt. „Das gefällt mir sehr und ich nehme die vielen positiven Eindrücke gerne mit zurück nach Schleswig-Holstein“, so die Bischöfin.

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