Bürgermeisterwahl in Chiemsee: Einziger Kandidat verfehlt Mehrheit – Neuwahl nötig
In einem ungewöhnlichen Wahlausgang muss Bayerns kleinste Gemeinde Chiemsee erneut zur Urne schreiten. Obwohl Amtsinhaber Armin Krämmer von der Freien Wählergemeinschaft Chiemsee als einziger offizieller Kandidat antrat, verfehlte er mit 47,7 Prozent der Stimmen die erforderliche absolute Mehrheit deutlich. Mehr als die Hälfte der Wählerinnen und Wähler nutzte die Möglichkeit, andere Namen auf den Wahlzettel zu schreiben, was zu diesem überraschenden Ergebnis führte.
Stichwahlkandidat lehnt ab – Novum im Landkreis
Der meistgenannte alternative Kandidat, das langjährige Gemeinderatsmitglied Michael Lanzinger, erhielt 21,5 Prozent der Stimmen und wäre damit eigentlich für die Stichwahl am 22. März qualifiziert gewesen. Doch Lanzinger lehnte eine Kandidatur ab und begründete dies gegenüber den OVB Heimatzeitungen mit der Interpretation des Wahlergebnisses: „Ich bin der Meinung, dass das Wahlergebnis zwar eindeutig in eine Richtung ist, aber nicht eindeutig in meine Richtung.“
Damit steht die Gemeinde vor einer besonderen Situation. Thomas Wagner, Geschäftsstellenleiter der Verwaltungsgemeinschaft Breitbrunn am Chiemsee, bestätigte: „Den Fall haben wir noch nie gehabt.“ Im gesamten Landkreis Rosenheim handelt es sich um ein absolutes Novum. Zwar sei es in kleinen Gemeinden der Region nicht ungewöhnlich, dass bei Einzelkandidaturen weitere Namen aufgeschrieben werden – eine komplette Neuwahl aufgrund dieser Konstellation sei jedoch bisher unbekannt.
Rätselraten über die Gründe
Besonders überraschend ist das Ergebnis, weil weder Skandale noch öffentliche Kritik am Amtsinhaber bekannt sind. Im Gegensatz zu anderen bayerischen Gemeinden, wo beispielsweise Vereinsmandate bei Fußballvereinen zu Kontroversen führten, gab es in Chiemsee keine derartigen Vorfälle. Die Gemeinde mit ihren rund 170 Einwohnern und 144 Wahlberechtigten gilt als überschaubar, wo jeder jeden kennt. Die Wahlbeteiligung lag mit knapp 80 Prozent sogar deutlich über dem bayerischen Durchschnitt.
Die besondere Struktur der Gemeinde, die die Fraueninsel mit dem Benediktinerinnenkloster, die Herreninsel mit Schloss Herrenchiemsee von König Ludwig II. und die unbewohnte Krautinsel umfasst, spiegelt sich auch in der Wählerschaft wider. Neben den Benediktinerinnen leben hier Fischer, Künstler und im Tourismus beschäftigte Personen. Bei der parallel stattgefundenen Gemeinderatswahl schaffte es die einzige kandidierende Nonne nicht in den achtköpfigen Gemeinderat, was ebenfalls für Diskussionsstoff sorgt.
Bayernweite Parallelen und nächste Schritte
Ähnliche Fälle sind bayernweit bekannt. Im oberfränkischen Hiltpoltstein lehnte beispielsweise Matthias Witschel nach Medienberichten die Stichwahlkandidatur ab, obwohl er mit 38,5 Prozent die meisten Stimmen erhalten hatte. In Chiemsee muss nun das Landratsamt Rosenheim in Abstimmung mit der Gemeinde einen neuen Wahltermin festlegen, der voraussichtlich im Juni liegen wird.
Die Verwaltungsgemeinschaft Breitbrunn am Chiemsee betonte, dass solche Situationen in den zur Verwaltungsgemeinschaft gehörenden kleinen Gemeinden zwar vereinzelt vorkämen, eine daraus resultierende Neuwahl jedoch einmalig sei. Die politischen Beobachter fragen sich nun, welche Dynamik sich bei der nächsten Wahl entwickeln wird und ob weitere Kandidaten ihre Bereitschaft zur Bürgermeisterkandidatur erklären werden.



