Erinnerungen an DDR-Zeiten: Westbesuch staunte über moderne Wohnung in der Uckermark
DDR-Erinnerungen: Westbesuch staunte über moderne Wohnung (14.04.2026)

Persönliche Erinnerungen an die DDR-Zeit in der Uckermark

Mehr als drei Jahrzehnte sind vergangen, seit Erhard Steiner von Thüringen nach Baden-Württemberg zog. Seine Erfahrungen als Ostdeutscher im Westen teilt er nun in einem bewegenden Zeitzeugenbericht, der ursprünglich im Nordkurier erschien und aufgrund des großen Leserinteresses erneut veröffentlicht wird.

Konfrontation mit Vorurteilen nach der Wende

„Was ich mir da anhören musste. Jetzt kommen die faulen DDR-Bürger“, erinnert sich Steiner an seine Ankunft im Westen. Diese pauschale Verurteilung traf ihn zutiefst, zumal er selbst stets hart gearbeitet hatte. „Das entwickelte sich erst über einen längeren Zeitraum. Mein Fazit: So viele faule Leute in meinem unmittelbaren Umkreis habe ich noch nie gesehen“, stellt er fest.

Schon zu DDR-Zeiten habe er im Handwerk sehr viel geleistet. Nach der Wende nutzte er die neue Situation: „Da ich im Land der tausend Wünsche war, habe ich natürlich nach Feierabend weitergearbeitet, denn die Nachfrage war groß“. Der Lohn dafür war unter anderem eine modern eingerichtete Wohnung – ein Detail, das westliche Besucher überraschte.

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Westbesuch staunte über DDR-Lebensstandard

„Als wir Westbesuch bekamen, hat der Bauklötze gestaunt“, berichtet Steiner. Die Gäste aus dem Westen hätten offenbar erwartet, die Ostdeutschen seien bettelarm. „Die Überlieferung war schon damals falsch und setzt sich bis heute fort“, kritisiert er die anhaltenden Klischees.

Seine berufliche Laufbahn widerlegt diese Vorurteile eindrucksvoll: „Als ich mich vor 30 Jahren beworben habe, bin ich sofort eingestellt worden. Und ich bin auch nie wegen Faulheit gekündigt worden“. Steiner betont, dass er sich seinen Erfolg selbst erarbeitet habe: „Ihm habe kein Staat geholfen. Ich musste selbst herausfinden, wie dieser Staat tickt“.

Plädoyer gegen pauschale Urteile

Steiners Resümee ist klar: „Es gibt nicht den fleißigen Wessi und den faulen Ossi. Das ist faktisch falsch und diskriminierend – egal für wen“. Er verweist darauf, dass Arbeitsmoral keine geografische Frage sei: „In jeder Familie und in jedem Staat wird es unterschiedliche Auffassungen zur Arbeit geben. Das sieht man ja an den Langzeitarbeitslosen und den ewigen Bürgergeldempfängern“.

Der Beitrag löste eine lebhafte Debatte unter Lesern des Nordkurier aus, die über das Klischee von „faulen Ossis und fleißigen Wessis“ streiten. Sowohl aus alten als auch neuen Bundesländern erreichten die Redaktion zahlreiche Zuschriften zu diesem emotionalen Thema.

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