Ein neues Forschungsprojekt widmet sich dem Leben an der Ostseeküste der DDR und den Erfahrungen der Grenzbewohner. In Wismar ist dazu ein Gesprächsabend geplant.
Fokus auf die maritime Grenze der DDR
Während die Berliner Mauer und die innerdeutsche Grenze aus der Zeit des Kalten Krieges bereits intensiv erforscht wurden, blieb die Ostseeküste der DDR bislang weniger im Fokus der Wissenschaft. Dr. Hope M. Harrison, Professorin für Geschichte und Internationale Beziehungen an der George Washington University und Senior Fellow des Alfried Krupp Wissenschaftskollegs Greifswald, möchte dies ändern. In einem Buchprojekt untersucht sie, wie Menschen diesen besonderen Grenzraum prägten und gleichzeitig von ihm geprägt wurden.
Die „blaue Grenze“ und ihre Bewohner
Im Zentrum des Projekts steht die Wechselwirkung zwischen dem Ort und den Menschen, die ihn bewohnten. Untersucht werden die Erfahrungen von Menschen, die an der „blauen Grenze“ Ostdeutschlands lebten, arbeiteten, Urlaub machten, flohen oder starben. Zudem wird betrachtet, wie an diese Grenze seit 1989 erinnert wird. Die Professorin, eine ausgewiesene Expertin zur Geschichte der deutschen Teilung, möchte die maritime Dimension der DDR-Grenze stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken. Besonders wichtig sind ihr die Stimmen der Zeitzeugen aus der Ostseeregion.
Wer wird gesucht?
Das Projekt sucht Erinnerungen von verschiedenen Personengruppen: Einwohner der Küstenregion, Urlauber, Fischer, Seeleute, Fährmitarbeiter, ehemalige Grenzsoldaten sowie Menschen, die Fluchtversuche erlebten oder davon betroffen waren. Alle, die persönliche Geschichten aus dieser Zeit teilen möchten, sind aufgerufen, sich zu beteiligen.
Gesprächsabend in Wismar
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Tell me your Story. Miteinander statt übereinander reden“ findet im Stadtgeschichtlichen Museum Schabbell in Wismar ein besonderer Gesprächsabend statt. Dieser ist für Donnerstag, den 7. Mai 2026, von 17 bis 18.30 Uhr geplant. Das Museum befindet sich in der Schweinsbrücke 6/8. Das öffentliche Veranstaltungsformat ist ein Nachbarschaftsprojekt und ein Beitrag zur interkulturellen Öffnung des Museums. Jeden ersten Donnerstag im Monat treffen sich Menschen im Schabbell, um ihre persönlichen Geschichten und Erzählungen auszutauschen. Ob jung oder alt, einheimisch, migrantisch oder neu – alle Bürger sind willkommen. Es gibt warme und kalte Getränke sowie Snacks. Für Kinder wird eine Beschäftigung angeboten. Der Eintritt ist kostenfrei und barrierefrei. Eine Anmeldung ist nicht nötig.



