Große DFB-Reform: Dieses Thema spaltet Fußball-Deutschland
In den fünf Regionalligen geht es in die heiße Schlussphase der Saison. Mit dem SV Meppen (Regionalliga Nord), Sonnenhof Großaspach (Südwest) und Fortuna Köln (West) stehen die drei direkten Aufsteiger in die 3. Liga vor dem letzten Spieltag fest. Die Würzburger Kickers (Regionalliga Bayern) warten bereits in der Relegation (27. und 31. Mai) und treffen auf den Vertreter aus der Regionalliga Nordost (entweder Lok Leipzig oder Jena). Parallel arbeiten der DFB und seine Regionalverbände an einem viergleisigen Ligasystem. Ab der Saison 2028/29 würde es zumindest im ersten Jahr 80 statt 90 Vereine geben, in dann nur noch vier Regionalligen. Die Saison 2027/28 würde als Qualifikationsrunde gelten. Jeder Meister würde direkt in die 3. Liga aufsteigen. Eine Arbeitsgruppe hat zwei Modelle ausgearbeitet: das Kompass-Modell und das Regionen-Modell.
Kompass-Modell vs. Regionen-Modell
Beim Kompass-Modell werden die Vereine per Algorithmus jede Saison nach den kürzesten Fahrstrecken eingeteilt. Landesgrenzen würden aufgebrochen, keine Liga bleibt so, wie sie gerade zusammengesetzt ist. Die von Nordost-Regionalligisten ins Leben gerufene „Aufstiegsreform 2025“, die sich für das Kompass-Modell ausspricht, wird zurzeit von 78 Vereinen unterstützt (Stand: 12. Mai). Alle Vereine von der Bundesliga bis zur 5. Liga (rund 390) dürfen für dieses Bündnis unterschreiben. Zudem sprach sich die DFL, um den Vorsitzenden Hans-Joachim Watzke, Ende April für das Modell aus.
Als weiteres Modell wird das Regionen-Modell diskutiert, das bereits 2018 kurz vor der Umsetzung stand. Die Regionalligen West und Südwest würden erhalten bleiben, die Regionalligen Nord, Nordost und Bayern würden sich auf zwei Ligen aufteilen. Im Südwesten wurde das Regionen-Modell bei der Spaltung der damaligen Regionalliga Süd bereits erfolgreich durchlaufen.
Vorteile und Nachteile des Kompass-Modells
Der Vorteil des Kompass-Modells: Jede Saison werden die Ligen neu eingeteilt, es gibt immer wieder neue Paarungen. Nachteil: Die Ligen werden aufgrund eines Algorithmus eingeteilt, der lediglich auf der geringsten Entfernung beruht. Vereine, die nah beieinander liegen und Derby-Charakter haben, können trotzdem in unterschiedlichen Ligen spielen. Aber: Sie können bei einem etwaigen Abstieg in die gleiche 5. Liga runtergehen, da diese unterklassige Struktur bestehen bleibt. Ein Beispiel: Erfurt und Jena könnten aufgrund der Nähe Erfurts zu Hessen unter Umständen in eine der westlicheren Ligen rutschen, Jena hingegen in einer östlicheren Liga bleiben. Beide würden jedoch in die NOFV-Oberliga Süd absteigen. Aus dieser Oberliga steigt aber nur eine Mannschaft auf. In dem Beispiel würde es also einen ostdeutschen Verein weniger in der Regionalliga geben. Die Gefahr: Da nur 2 von 16 Oberliga-Aufsteigern zurzeit in die Regionalliga Nordost hochgehen, könnte der Fußball-Osten im Kompass-Modell schnell an Mannschaften und an Bedeutung verlieren, da es pro Liga ab 2028/29 vier Absteiger geben wird.
Ein weiteres Problem: Bis zur allerletzten Entscheidung steht nicht fest, wie sich die Ligen zusammensetzen. Die Vereine haben spät Planungssicherheit (die letzten Entscheidungen fallen im Juni). Dementsprechend höher wird der Aufwand sein, das Kompass-Modell umzusetzen. Eine Folge: Der Aufstieg aus der Oberliga wird immer schwieriger. Schon in den vergangenen Jahren haben immer weniger Aufstiegsaspiranten die Regionalliga-Lizenz beantragt bzw. erhalten (aktuelles Beispiel: SV Hemelingen aus der Bremen-Liga).
Nächste Schritte
Am 14. Mai kommen die Verbandspräsidenten zusammen. Bei der Sitzung soll auch über die Regionalliga-Reform gesprochen werden. Entschieden oder abgestimmt wird noch nicht. Anschließend werden die Verbände mit ihren jeweiligen Vereinen in den Austausch gehen. Einen festen Termin, wann eine endgültige Entscheidung getroffen werden soll, gibt es noch nicht.



