Ehering verloren? Ehrenamtliche Ringsucher helfen deutschlandweit
Ehrenamtliche Ringsucher helfen bei Ehering-Verlust

Seit acht Monaten verheiratet, und schon ist der Ring verschwunden: Für Anna Jona Koch und ihren Mann Frank ist der Verlust des Eherings ein schwerer Schlag. „Mein Mann hat den Ring im Januar beim Eisbaden verloren. Er hat die Hände geschüttelt, weil es so kalt war, und da ist der Ring wahrscheinlich abgerutscht“, erzählt die 37-Jährige. Sie gibt nicht auf: „Ich habe zehn Jahre auf diese Hochzeit gewartet und will nicht, dass dieser Ring schon nach acht Monaten weg ist.“ Ihre Hoffnung ruht nun auf Mike Koch, einem ehrenamtlichen Ringsucher aus Bernau (Barnim). Er gehört zu einem Netzwerk von Freiwilligen, die bundesweit und darüber hinaus nach verlorenen Eheringen, Uhren, Ketten und anderen Wertgegenständen suchen.

Der Einsatz am Kiessee

Der Ring, ein klassischer goldener mit der Gravur „Anna Jona“, saß sehr locker, weil ihr Mann nach der Hochzeit sieben Kilo abgenommen hatte – „eine Ringgröße“, so Koch. Mehr als vier Monate nach dem Verlust treffen sich Mike Koch, Anna Jona Koch und ein Freund, der damals mit ihrem Mann Eisbaden war, am Kiessee bei Schildow nördlich von Berlin. Ihr Mann ist auf Dienstreise, daher kann er nicht dabei sein. Erst kürzlich habe sie von der Möglichkeit erfahren, sich von Ringsuchern helfen zu lassen.

Mike Koch ist optimistisch: „Eine halbe Stunde, dann haben wir ihn vielleicht schon gefunden.“ Besonders die flache Wassertiefe stimmt ihn zuversichtlich, aber auch tiefere Gewässer sind kein Hindernis. Er erinnert sich an einen Fund im Berliner Plötzensee in drei Metern Tiefe: „Er hat noch gesehen, wie der Ring dem Ball hinterhergeflogen ist.“

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Die Suche mit Metalldetektor und Siebschaufel

Am Ufer zieht Koch eine Wathose an, nimmt Metalldetektor und Siebschaufel. Anna Jona und ihr Freund Florian beobachten, wie er konzentriert Quadratzentimeter für Quadratzentimeter absucht. Der Detektor schlägt an, doch es ist nur ein Kronkorken. Dann wieder ein Stück Alufolie, später eine 50-Pfennig-Münze. Geduld und Optimismus sind gefragt – Eigenschaften, die Koch als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger und Hobby-Archäologe im Auftrag des Landesdenkmalamtes täglich trainiert.

Der Auftrag kam über die Plattform „Ringretter“. In fast allen Fällen war Koch erfolgreich, nur einmal suchte er stundenlang im Garten einer Frau, während der Ring in der Waschmaschine lag. Solche Einsätze sind Teil eines deutschlandweiten Netzwerks von Ringsuchern, die ehrenamtlich oder teils kommerziell arbeiten. Janik Ratke, Betreiber von „Ringfinder.eu“, sagt: „Wir wollen helfen, weil wir das Gefühl kennen, wenn man etwas verliert – und weil wir die Ausrüstung haben, nicht um unseren Lebensunterhalt zu verdienen.“

Emotionale Momente als Motivation

Ratke, der im Schwarzwald lebt, lobt Mike Koch als „echten Joker“ wegen seiner Zuverlässigkeit. Sein erster Einsatz vor elf Jahren war besonders prägend: Eine ältere Frau hatte die Eheringe von sich und ihrem verstorbenen Mann zusammenschmieden lassen. Beim Fensterputzen fiel das Schmuckstück aus dem dritten Stock. „Der Mann war verstorben und jetzt noch den Ring verloren – für sie war das das Schlimmste, was passieren konnte.“ Als Ratke den Ring wiederfand, weinte die Besitzerin und umarmte ihn lange. „Das ist bis heute meine größte Motivation.“

Zweifel am Kiessee

Am Kiessee wachsen die Zweifel. Der See sei ungewöhnlich sauber, sagt Koch. „Normalerweise findet man alles Mögliche, auch DDR-Schwimmabzeichen.“ Auch am Ufer schlägt der Detektor nicht an. Seine Vermutung: Ein anderer Metallsucher hat den Strand bereits abgegrast und alles Metallische mitgenommen. „Das kommt häufig vor“, erklärt Koch. Nach eineinhalb Stunden bestätigt der Betreiber des angrenzenden Strandbads Anna Jona Koch, dass in den vergangenen Wochen mehrfach ein junger Mann mit Metalldetektor am See gesehen wurde.

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Doch Anna Jona Koch gibt nicht auf. „Ich werde einen Aushang am See machen, falls ihn schon jemand gefunden hat“, sagt sie. Außerdem will sie Netzwerke von Ringsuchern durchforsten und im Fundbüro nachfragen. Einen neuen Ring kaufen möchte sie nicht: „Da bin ich abergläubisch.“ Die PR-Beraterin betreibt selbst eine Internet-Plattform für Hochzeitsgäste – und hat nun eine besondere Verbindung zum Thema Verlust und Wiederfinden. Sicherheitshalber sucht Mike Koch auch den Uferbereich ab, doch der Ring bleibt verschollen. Als Andenken lässt Anna Jona von einem Freund ein Bild mit dem Ringsucher machen – ein stilles Zeichen der Hoffnung.