Uckermark: Gastwirt verliert Familie in Doppeltragödie - „Mein ganzer Lebensinhalt war weg“
Wie viel Leid kann ein Mensch ertragen? Diese Frage stellt sich Helmut Siegfried Steuer aus der Uckermark seit vielen Jahren immer wieder. Dem 85-jährigen ehemaligen Gastwirt wurde innerhalb kurzer Zeit seine gesamte Familie entrissen - eine doppelte Tragödie, die sein Leben für immer veränderte.
Der verhängnisvolle Unfall im Jahr 2004
Bis zu jenem schicksalhaften Tag im Jahr 2004 lebte Helmut Siegfried Steuer glücklich und zufrieden mit seiner Familie in Kröchlendorff. Doch dann änderte ein einziger Moment alles. „Wir waren auf dem Weg nach Hause“, erinnert sich der Rentner mit stockender Stimme. „Meine Frau saß bei der Tochter im Auto vor mir, ich hatte meine Schwiegermutter an Bord, als plötzlich ein anderer Wagen die Kontrolle verlor.“
Der Zusammenstoß war verheerend. Der Pkw traf das Fahrzeug seiner Tochter mit voller Wucht. „Meine Frau war auf der Stelle tot“, berichtet der Hinterbliebene, dessen Stimme noch heute von der Erschütterung zeugt. Seine geliebte Tochter erlag drei Monate später ihren schweren Verletzungen. Auch die beiden Männer im anderen Fahrzeug überlebten den Crash nicht.
Das Bild, das sich für immer eingebrannt hat
Helmut Siegfried Steuer durchlebt das furchtbare Geschehen bis heute jeden Tag aufs Neue. „Ich sehe ständig vor Augen, wie das Auto durch die Luft flog“, erzählt der Mittachtziger. „Später fand ich meine Frau herausgeschleudert auf der Wiese liegend - wie Jesus am Kreuze.“
Der schmerzhafte Verlust traf den langjährigen Gaststättenbetreiber ins Mark. „Das war mein ganzer Lebensinhalt - auf einmal war alles weg“, fügt er leise hinzu. Von seinem früheren Leben sind ihm heute nur noch Erinnerungen und Fotos geblieben. Das Bild seiner verstorbenen Frau steht direkt neben dem Fernseher und begleitet ihn von morgens bis abends durch den Tag.
Ein weiterer Schicksalsschlag folgt
Doch das Schicksal meinte es noch nicht gut mit dem Witwer. Kurz nach dem tragischen Unfall verstarb auch sein Sohn während eines Aufenthalts in Spanien. „Auf einmal stand ich mutterseelenallein da“, beschreibt Steuer seine damalige Situation. Der pensionierte Gastwirt versuchte, sein Leben irgendwie weiterzuleben, doch das gelang ihm nur mehr schlecht als recht.
Vor über zwei Jahren stürzte der alleinlebende Mann schließlich in seiner Wohnung und verletzte sich schwer. Diese Verletzung zwang ihn zu einer schweren Entscheidung: Er musste eine andere Bleibe mit professioneller Betreuung finden. „Die Umstellung war hart“, gesteht der 85-Jährige.
Neuanfang im Seniorendorf Prenzlau
Heute lebt Helmut Siegfried Steuer im Seniorendorf Prenzlau, wo er rund um die Uhr betreut wird. Pflegerin Dominika und die anderen Betreuerinnen wissen um das schwere Schicksal des Mannes und unterstützen ihn bestmöglich. Auch Seniorendorf-Leiterin Nancy Köpke steht ihm regelmäßig zur Seite.
Der ehemalige Gastronom ist inzwischen auf einen Rollator angewiesen und verbringt viel Zeit im Gemeinschaftsraum der Einrichtung. Trotz aller Unterstützung bleibt die Frage, die ihn seit Jahren begleitet: Wie viel Leid kann ein Mensch wirklich ertragen? Helmut Siegfried Steuer hat mehr davon erfahren, als sich die meisten Menschen vorstellen können - und findet doch jeden Tag aufs Neue die Kraft weiterzuleben.



