Geldnot bedroht Jugendherbergen in Sachsen-Anhalt
Geldnot bedroht Jugendherbergen in Sachsen-Anhalt

Die Jugendherbergen in Sachsen-Anhalt stecken in einer tiefen Krise. Immer weniger Familien und Vereine buchen Übernachtungen, die Auslastung sinkt kontinuierlich. Nach der Schließung der Jugendherberge in Gorenzen im Januar steht nun auch das Haus in Kelbra im Landkreis Mansfeld-Südharz vor dem Aus. Damit würde der gesamte Kreis ohne Jugendherberge dastehen.

Rückgang der Übernachtungszahlen

Die Zahl der Übernachtungen in den zwölf Jugendherbergen des Bundeslandes ist in den vergangenen drei Jahren um 9.000 auf 252.334 im Jahr 2025 gesunken. Simon Bischoff, Vorstand des Jugendherbergswerks in Sachsen-Anhalt, macht die schwierige wirtschaftliche Lage verantwortlich: „Den Jugendherbergen geht es nicht gut, weil es unseren Zielgruppen nicht gut geht. Wir spüren die Folgen gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklungen. Familien haben weniger Geld im Portemonnaie.“

Auswirkungen auf Vereine und Schulklassen

Nicht nur Familien leiden unter den gestiegenen Kosten. Auch Vereinsfahrten und Klassenfahrten werden seltener gebucht. Viele Schulen und Vereine haben mit eigenen Budgetkürzungen zu kämpfen, sodass Ausflüge und mehrtägige Aufenthalte gestrichen oder reduziert werden. Dies trifft die Jugendherbergen besonders hart, da sie traditionell auf solche Gruppen angewiesen sind.

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Neue Angebote als Rettungsanker?

Um gegenzusteuern, setzt das Jugendherbergswerk auf neue Konzepte. Dazu gehören günstigere Pakete für Familien mit geringem Einkommen, Kooperationen mit sozialen Trägern sowie thematische Angebote wie Naturerlebnis- oder Digital-Detox-Wochenenden. Ob diese Maßnahmen ausreichen, um die Häuser langfristig zu erhalten, bleibt fraglich. Bischoff betont: „Wir müssen kreativ sein, aber die finanzielle Situation vieler Menschen ist einfach angespannt. Ohne Unterstützung von Politik und Gesellschaft wird es schwer.“

Die Schließung in Kelbra ist noch nicht endgültig besiegelt, doch die Aussichten sind düster. Herbergsleiter Steffen Trempelmann räumt bereits Stühle ein – ein symbolischer Akt, der die prekäre Lage verdeutlicht.

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