Jüdische Geschichte in Lassan: Neue Publikation beleuchtet vergessene Lebenswege
Jüdische Geschichte in Lassan: Neue Publikation enthüllt Lebenswege

Jüdische Spuren in Lassan: Vergessene Gräber und Lebenswege werden erforscht

Jahrzehntelang lag der jüdische Friedhof von Lassan im Verborgenen, fast vergessen von der Öffentlichkeit. Südwestlich der Stadt gelegen, war lediglich ein Fragment eines Grabsteins mit hebräischen Schriftzeichen bekannt, doch über die dort bestatteten Menschen wusste man kaum etwas. Nun bringen neue Forschungen Licht in dieses dunkle Kapitel der Regionalgeschichte.

Publikation enthüllt detaillierte Lebensgeschichten

Der Familienforscher Dr. Tim Peppel und der ehemalige Lassaner Dr. Franz-Albert Tröster haben eine umfangreiche Publikation vorgelegt, die sich intensiv mit dem Leben und Wirken der einst in Lassan ansässigen jüdischen Bürger beschäftigt. Ihre akribischen Nachforschungen ermöglichen es, konkrete Bezüge zum jüdischen Friedhof herzustellen und bisher unbekannte Schicksale ans Tageslicht zu bringen.

Ein bedeutender Durchbruch gelang bei der Untersuchung des Grabsteinfragments: Experten konnten es nun der im Alter von nur 16 Jahren verstorbenen Selma Jacobi zuordnen. Das Mädchen war die zweitgeborene Tochter von Hedwig und Max Moses Jacobi, die zu den angesehenen Bürgern Lassans zählten.

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Max Jacobi: Ein engagierter Bürger und Stifter

Max Moses Jacobi ließ sich 1879 in Lassan nieder und etablierte sich schnell als respektiertes Mitglied der Gemeinschaft. Er arbeitete vermutlich zunächst im Konfektionsgeschäft seines Schwiegervaters Jacob Baruch Cohn, bevor er 1885 die Leitung des Ladens übernahm. Sein Engagement reichte weit über geschäftliche Belange hinaus: Jacobi war aktives Mitglied im Lassaner Männergesangsverein, im Schützenverein und im Kegelklub, wo sich zahlreiche Honoratioren der Stadt trafen.

Besonders bemerkenswert ist seine nach ihm benannte Stiftung, die gute Schüler belohnen sollte. Wie der neuen Ausgabe der „Beiträge zur Lassaner Heimatgeschichte“ zu entnehmen ist, erhielten erstmals 1906 vier Schüler der Lassaner Stadtschule Buchprämien „als Zeichen der Anerkennung des Fleißes und des Wohlverhaltens“. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg schrumpften die Stiftungserträge jedoch, bis die Initiative schließlich in Vergessenheit geriet.

Verschiedene Schicksale und ein vernachlässigter Friedhof

Die Publikation „Spuren jüdischen Lebens in Lassan: Leben – Wirken – Schicksale“ zeichnet die unterschiedlichen Lebenswege der jüdischen Bürger nach. Einige gelangten nach erfolgreicher Flucht ins Ausland, viele andere fielen jedoch den Vernichtungslagern der Nazis zum Opfer. Max Jacobi selbst verließ Lassan bereits 1908, verkaufte sein Geschäft an den Anklamer Kaufmann Arthur Neumann und zog mit seiner Familie nach Berlin.

Wie viele Menschen genau auf dem jüdischen Friedhof in Lassan bestattet wurden, bleibt teilweise unklar. Die Autoren gehen von weniger als zehn Personen aus, eine Zeitzeugin erinnerte sich an etwa acht Grabsteine zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Bisher sind fünf Personen namentlich bekannt, darunter Jacob Baruch Cohn, Selma Jacobi und ihre Schwester Pauline, die 1893 im Alter von 13 Jahren starb.

Ewige Totenruhe und aktuelle Bemühungen um Wiederherstellung

Nach jüdischer Tradition gilt auf Friedhöfen die ewige Totenruhe: Gräber dürfen nicht eingeebnet, wiederbelegt oder für andere Zwecke genutzt werden. Umso erstaunlicher ist, dass in Lassan im Jahr 2006 genau dies geschah, wie Franz-Albert Tröster, der sich seit Jahren für den Friedhof engagiert, feststellen musste. Der autodidaktische Bildhauer hat bereits einen Gedenkstein für den Friedhof geschaffen und zeigt sich zuversichtlich, dass die derzeit stark zugewucherte Parzelle in absehbarer Zeit wiederhergestellt werden kann.

Die neuen Forschungsergebnisse und die geplante Wiederherstellung des Friedhofs sind wichtige Schritte, um die jüdische Geschichte Lassans vor dem Vergessen zu bewahren und den Opfern würdig zu gedenken.

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