Die traditionsreiche Porzellanmanufaktur Kahla kämpft erneut um ihr Überleben. Nach der erneuten Insolvenz im März laufen nun Gespräche mit potenziellen Investoren und dem Land Thüringen. Der vorläufige Insolvenzverwalter Rolf Rombach bestätigte, dass ab nächster Woche Verhandlungen mit Interessenten beginnen. Gleichzeitig sucht man die Unterstützung des Freistaates.
Land Thüringen zeigt Bereitschaft
Das Thüringer Wirtschaftsministerium bestätigte die laufenden Gespräche, machte jedoch deutlich, dass eine Beteiligung an EU-beihilferechtliche Vorgaben gebunden sei. Ein Sprecher betonte, dass zunächst ein tragfähiges Konzept und finanzstarke Investoren gefunden werden müssten. Das Land sei bereit, zukunftsfähige Lösungen zu unterstützen, allerdings hänge die konkrete Form von den Umständen ab.
Produktion im Etappenbetrieb
Um die hohen Energiekosten zu senken, laufen die Öfen der Manufaktur nicht mehr durchgehend, sondern nur noch in Etappen und bei voller Bestückung. Laut Rombach läuft die Produktion mit 120 Mitarbeitern stabil, die Auftragslage sei gut, decke aber noch nicht die Verluste der Vorjahre. Die Liquidität sei derzeit ausreichend. Zudem wurde der Vertrieb durch einen neuen Mitarbeiter verstärkt, der das Unternehmen und seine Kunden bereits kennt.
Herausforderungen und Perspektiven
Die Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen GmbH hatte im März wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einen erneuten Insolvenzantrag gestellt. Begründet wurde dies mit schwacher Auftragslage, Kaufzurückhaltung im Gastronomiebereich und hohen Energiekosten. Der Jahresumsatz stagniert bei sieben bis acht Millionen Euro. Rombach sieht Potenzial: „Die Produktionsabläufe stimmen, aber der Vertrieb muss verstärkt werden.“
Ein Stück Thüringer Industriegeschichte
In Kahla wird seit über 170 Jahren Porzellan industriell gefertigt. Zu DDR-Zeiten war die Stadt Sitz des VEB Feinkeramik mit 17 Betrieben und rund 18.000 Beschäftigten. Nach der Wende folgte die Privatisierung und 1994 die Neugründung der Kahla/Thüringen Porzellan GmbH. 2020 führte ein geplatzter Großauftrag zur Insolvenz, woraufhin der damalige Geschäftsführer Daniel Jeschonowski das Unternehmen übernahm. Damals arbeiteten noch rund 250 Menschen in der Manufaktur – heute ist die Belegschaft auf 120 geschrumpft.
Ob die aktuellen Maßnahmen ausreichen, ist laut Rombach schwer vorherzusagen. „Deshalb haben wir uns auch an das Land Thüringen gewandt“, so der Insolvenzverwalter. Die Gespräche mit Interessenten und dem Land sollen nun die Rettung des Traditionsbetriebs ermöglichen.



