Die Hansestadt Rostock verzeichnet für das Jahr 2025 einen erfreulichen Rückgang der Kriminalitätsbelastung. Mit insgesamt 17.080 erfassten Straftaten wurde der niedrigste Wert seit einem Jahrzehnt erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr, als 17.827 Fälle registriert wurden, bedeutet dies einen Rückgang um rund vier Prozent. Allerdings gibt es auch eine negative Entwicklung: Die Aufklärungsquote sank auf 56,8 Prozent, nach 61,4 Prozent im Jahr 2024. Auch dies ist der geringste Wert im Zehn-Jahres-Vergleich.
Ursachen für die gesunkene Aufklärungsquote
Die Kriminalstatistik wurde am 29. April von Carsten Hoffmann, Leiter der Polizeiinspektion Rostock, Achim Segebarth, Leiter der Kriminalinspektion, und Emma Wudtke, Leiterin des Kriminalkommissariats, vorgestellt. Im Vergleich zum Landesdurchschnitt Mecklenburg-Vorpommerns, der bei 63,3 Prozent liegt, schneidet Rostock deutlich schlechter ab. Die niedrige Quote wird unter anderem auf die veränderte Anzahl von Delikten zurückgeführt, die bei Kontrollen festgestellt oder auf Antrag verfolgt werden.
Dazu zählen beispielsweise Beförderungserschleichung (Fahren ohne Ticket), Drogendelikte und Ladendiebstähle. Bei diesen Delikten ist die Aufklärungsquote naturgemäß hoch, da die Täter oft direkt identifiziert werden. Sinken die Fallzahlen in diesen Bereichen, hat dies einen direkten Einfluss auf die Gesamtaufklärungsquote. So nahm die Zahl der Beförderungserschleichungen drastisch ab: von 1.874 Fällen im Jahr 2024 auf 1.000 im Jahr 2025 – ein Minus von 45,9 Prozent. Die Aufklärungsquote lag hier bei 99,4 Prozent. Auch Ladendiebstähle gingen um 20 Prozent zurück, von 1.800 auf 1.440 Fälle. Bei Rauschgiftdelikten sank die Zahl von 727 auf 612 Fälle, mit einer Aufklärungsquote von 83,8 Prozent. Ein Grund für den Rückgang ist die Cannabis-Legalisierung.
Die häufigste Deliktart: Diebstahl
Diebstahldelikte machen rund ein Drittel aller erfassten Straftaten in Rostock aus. Im Jahr 2025 wurden 5.503 Fälle registriert, nach 5.641 im Vorjahr. Zum Vergleich: 2016 waren es noch 7.606 Fälle. Die Aufklärungsquote bei Diebstählen schwankte in den letzten Jahren: Bis 2021 lag sie bei 25 bis 30 Prozent, danach stieg sie auf über 34 Prozent, erreichte 2024 mit 38 Prozent einen Höhepunkt und fiel 2025 auf 35,1 Prozent.
Schwere Verbrechen und Sexualdelikte
Im Jahr 2025 wurden ein vollendeter und ein versuchter Mord erfasst, beide Fälle wurden aufgeklärt. Hinzu kamen vier Totschlagsdelikte, davon zwei im Versuchsstadium. Besorgniserregend ist die Entwicklung bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Mit 377 registrierten Fällen wurde der höchste Stand der letzten zehn Jahre erreicht – ein Anstieg um 24,4 Prozent gegenüber 303 Fällen im Vorjahr. Die Aufklärungsquote sank leicht von 85,5 auf 85,1 Prozent.
Die Zahl der sexuellen Belästigungen ging leicht zurück (minus 5 Fälle auf 61), während die Aufklärungsquote von 66,7 auf 80,3 Prozent stieg. Beim sexuellen Missbrauch stiegen die Fallzahlen jedoch deutlich von 63 auf 92 Fälle (plus 46 Prozent), die Aufklärungsquote sank von 85,7 auf 75 Prozent. Besonders stark war der Anstieg beim sexuellen Missbrauch von Kindern: von 38 auf 57 Fälle, ein Plus von 50 Prozent. Die Aufklärungsquote fiel hier von 92,1 auf 84,2 Prozent.
Exhibitionistische Handlungen und Erregung öffentlichen Ärgernisses nahmen um 40 Prozent zu (von 20 auf 28 Fälle), die Aufklärungsquote sank von 70 auf 50 Prozent. Bei der Verbreitung pornografischer Inhalte stiegen die Fallzahlen um 45,9 Prozent (von 109 auf 159 Fälle), die Aufklärungsquote verbesserte sich von 92,7 auf 95 Prozent.
Achim Segebarth, Leiter der Kriminalpolizeiinspektion, bewertet die Entwicklung als dramatisch: „Wenn es tatsächlich um die vollendeten Missbräuche oder das Verbreiten pornografischer Inhalte geht, sehen Sie hier erhebliche Fallzahlsteigerungen, die anhalten.“ Er führt dies auf ein hohes Meldeaufkommen zurück, auch aus dem Ausland, insbesondere den USA, wo das Internet stärker überwacht werde. Zudem seien Menschen sensibler geworden und zeigten Straftaten aus dem familiären oder Bekanntenkreis häufiger an als früher. Bei Sexualdelikten gebe es ein großes Dunkelfeld, und wenn eine Anzeige erstattet werde, kämen oft weitere Fälle ans Licht.
Weitere Entwicklungen in der Kriminalstatistik
- Messerangriffe: Rückgang auf 60 Fälle (2024: 78) – niedrigster Wert seit fünf Jahren.
- Stalking: Anstieg um 44,8 Prozent von 67 auf 97 Fälle, Aufklärungsquote 88,7 Prozent.
- Körperverletzung im öffentlichen Raum: Anstieg um 10,9 Prozent (36 Fälle) auf 365 Fälle, Aufklärungsquote 72,6 Prozent (2024: 73,3 Prozent).
- Häusliche Gewalt: Anstieg auf 712 Fälle (2024: 661), davon 556 Fälle von Partnerschaftsgewalt – höchster Wert seit mindestens 2021.
- Wohnungseinbrüche: 572 Kellereinbrüche (2024: 576) und 155 Wohnungseinbrüche (2024: 143). Nach einem Tiefstand von 84 Wohnungseinbrüchen im Jahr 2021 steigen die Zahlen wieder, bleiben aber unter dem Niveau von 2016 (253 Fälle). Bei Kellereinbrüchen gab es vor zehn Jahren 919 Fälle, der Tiefststand lag 2023 bei 492.
- Diebstahl von Autos und Rädern: 48 gestohlene Autos (drittniedrigster Wert in zehn Jahren), 192 gestohlene Mopeds und Krafträder (nur 2023 lag höher), 565 Diebstähle an und aus Fahrzeugen (2024: 503).
Die Polizei betont, dass die gestiegenen Anzeigenzahlen bei Sexualdelikten und häuslicher Gewalt auch auf eine erhöhte Sensibilität der Bevölkerung zurückzuführen sind. Weitere Details zu Tatverdächtigen, deren Alter und Herkunft werden zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht.



