In Mecklenburg-Vorpommern existieren gleich vier festgelegte Zonen für die Luftbetankung von Militärflugzeugen. Diese speziellen Routen bieten ideale Bedingungen für das anspruchsvolle Manöver, bei dem Kampfjets in der Luft mit Kerosin versorgt werden.
Hintergrund der Luftbetankung
Mitte April flog eine große Transportmaschine der Luftwaffe vom Typ A400M fast zwei Stunden lang über Westmecklenburg in etwa 6000 Metern Höhe stets dieselbe Route. Verfolgt man den Kurs, ergibt sich eine ovale Form, ähnlich einer Radrennbahn. Diese Flugroute ist charakteristisch für ein spezielles Manöver, das der Luftwaffe und Nato-Verbündeten in Deutschland nur in wenigen Gebieten gestattet ist: die Betankung von Flugzeugen in der Luft.
Vier feste Tankerrouten in MV
Bundesweit gibt es lediglich 16 speziell ausgewiesene Routen, auf denen fliegende Tankstellen wie der A400M ihre Runden drehen und von Kampfjets angezapft werden dürfen. Vier dieser Luftbetankungs-Ovale befinden sich allein in Mecklenburg-Vorpommern: Im westlichen Landesteil verläuft über Teilen der Landkreise Ludwigslust-Parchim, Nordwestmecklenburg und Rostock die Route mit dem Codenamen „Merle“. Östlich davon liegen die Areale „Janin“ und „Tina“. Ganz im Norden, über der Insel Rügen, befindet sich der Tankorbit „Nele“.
Warum gerade MV?
Dass in Mecklenburg-Vorpommern gleich vier Betankungszonen eingerichtet wurden, während Militärmaschinen rund um Berlin und anderen Teilen Deutschlands keinen Luft-Tankstopp einlegen dürfen, liegt an besonderen Bedingungen im Nordosten. Die Tankovale sind in der Regel innerhalb oder in unmittelbarer Nähe zu militärischen Übungslufträumen angelegt. „Durch diese Positionierung wird eine optimale Unterstützung des Übungsflugbetriebes der Luftstreitkräfte mit Großraumtankern gewährleistet“, erklärt das Verteidigungsministerium in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linken im Bundestag. Die Wege zum nächsten Tankstopp sollen möglichst kurz sein.
In Mecklenburg-Vorpommern liegt eine der größten Übungszonen für Militärflüge in Deutschland. Aufgrund der Ausmaße von 26.133 Quadratkilometern konnten im Nordosten vier Luftbetankungsorbits etabliert werden, teilt die Luftwaffe mit.
Operative Sicherheit und Geheimhaltung
Der Nordosten ist auch aus einem weiteren Grund für den Einsatz von Großraumtankern besser geeignet als etwa die Region Berlin. Der Luftraum über dem Bundesgebiet ist aufgrund des sehr dichten Netzes von Verkehrsflughäfen und teilweise sehr hohem zivilem Flugverkehrsaufkommen eine knappe und begrenzte Ressource. Das gilt speziell für Regionen mit großen Flughäfen wie Frankfurt am Main, München oder Berlin-Brandenburg. MV spielt im internationalen Flugverkehr hingegen kaum eine Rolle.
Die genaue Anzahl der Betankungsflüge von Luftwaffe und Nato-Verbündeten über Mecklenburg-Vorpommern wird geheim gehalten. „Eine detaillierte Auswertung wird aufgrund der operativen Sicherheit nicht aufgeschlüsselt“, antwortet die Luftwaffe auf eine Anfrage unserer Redaktion. Preisgegeben werden nur Gesamtzahlen: 1384 Betankungen in der Luft wurden zwischen 2023 und 2025 in Deutschland durchgeführt. Die Tank-Treffs Merle, Tina, Janin und Nele in Mecklenburg-Vorpommern wurden dabei 84 Mal angeflogen. Zwischenfälle bei Luftbetankungen in MV seien nicht bekannt, teilte die Luftwaffe weiter mit.



