Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern: Mit einem echten Dampfer über die Müritz – das ist auch heute noch möglich. Der 117 Quadratkilometer große Binnensee, der größte Deutschlands, bietet ab Waren (Müritz) Ausflüge auf dem Motorschiff „Europa“, das von einer Dampfmaschine angetrieben wird. Diese Maschine wird mit Öl betrieben – ein Zugeständnis an die Umwelt, denn Kohlendampf wäre im Müritz-Nationalpark fehl am Platz.
Geschichte der Dampfschifffahrt auf der Müritz
Die Dampfschifffahrt auf der Müritz reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück und ist eng mit dem Dichter Theodor Fontane verbunden. Er verbrachte 1896 sechs Wochen Sommerfrische in Waren und machte den Ort als „Interlaken des Nordens“ bekannt. Die Straße, in der er wohnte, heißt heute Fontanestraße. Der legendäre Dampfer „Fontane“ wurde 1910 gebaut und war bis 1970 das schnellste Schiff auf der Müritz. Er diente als Holzflößer, Kähnezieher, Personentransporter und Postdampfer. Nach seiner Stilllegung verrottete er am Ufer des Plauer Sees und wurde schließlich verschrottet.
Der Nachbau: Die „Europa“
Burghard Preiss, ein in Röbel aufgewachsener Schiffsbau-Ingenieur aus Bremen, gilt als geistiger Vater des Nachbaus. Gemeinsam mit Weiße-Flotte-Geschäftsführer Horst Klatt setzte er das Projekt um. Die „Europa“ wurde auf einer polnischen Werft gebaut und hatte Ostern 2006 ihre Jungfernfahrt. Sie ist das Flaggschiff der Weißen Flotte Müritz. Warum sie nicht „Fontane“ heißt? Weil zu DDR-Zeiten ein anderes Fahrgastschiff diesen Namen erhielt, das noch heute unterwegs ist.
Wenn die Dampfsirene der „Europa“ über die Müritz schallt, erinnert das an die Zeit Fontanes. Die Passagiere genießen eine Gänsehaut, und selbst die Möwen scheinen kurz still zu sein. Ein Ausflug mit der „Europa“ ist ein Stück lebendige Geschichte und Naturerlebnis zugleich.



