In der Stille und Weite der Mecklenburgischen Seenplatte können Besucher eine beeindruckende Tierwelt beobachten: Eine Rike flüchtet mit ihren Kitzen ins Dickicht, Kraniche trompeten am Himmel, Fischadler jagen in der Müritz. Wölfe sind in die Nossentiner Heide zurückgekehrt. Und Bären durchstreifen die Wälder – allerdings nicht in freier Wildbahn, sondern im „Bärenwald Müritz“, Westeuropas größtem Bärenschutzzentrum.
Einzigartiges Schutzprojekt in Stuer
Der Bärenwald liegt nicht direkt an der Müritz, sondern etwa 20 Kilometer westlich an der Südspitze des Plauer Sees, nahe der Ortschaft Stuer. Trotz des Namens ist die Anlage leicht zu finden: Von Berlin oder Hamburg aus fährt man auf der A 19 bis zur Abfahrt Röbel/Müritz, dann über die B 198 in Richtung Plau. Große Schilder weisen den Weg.
Auf 16 Hektar Wald- und Wiesenfläche, mit natürlichem Bachlauf und Teichen, leben knapp 20 Braunbären. Jeder Bär hat rund einen halben Hektar zur Verfügung – ein krasser Gegensatz zu den oft winzigen Betonkäfigen, in denen viele von ihnen zuvor gehalten wurden.
Schicksale der Bären
Die ersten Bewohner waren die Geschwister Lothar und Sindi, die 2006 aus dem Schwarzwaldpark nach Stuer kamen. Ihnen folgten Maya mit ihren Söhnen Ben und Felix (2007), Zirkusbär Bruno (2011) sowie die Bärinnen Kasia und Basia (2011), die zuvor in einem polnischen Zoo auf nur 60 Quadratmetern gehalten wurden. Otto und Mascha litten jahrelang in einem 150 Quadratmeter kleinen Betongehege. Bärin Dushi wurde aus einem Zoo in Albanien gerettet.
Naturnahe Haltung fördert natürliches Verhalten
Viele Bären zeigen nach jahrelanger Gefangenschaft schwere Verhaltensstörungen. Im Bärenwald werden sie durch artgerechte Beschäftigung und soziale Kontakte langsam rehabilitiert. Die Nahrung wird versteckt, sodass die Tiere wie in freier Wildbahn auf Futtersuche gehen müssen. Erfahrene Tierpfleger und Wildtierärzte betreuen die Bären, und „Vier Pfoten“ kooperiert mit Wissenschaftlern und Universitäten.
Obwohl Braunbären normalerweise Einzelgänger sind, leben sie hier in kleinen Gruppen zusammen. Der Sozialkontakt hilft ihnen, Verhaltensstörungen abzubauen.
Besucherinformationen
Rund 90.000 Gäste besuchen den Bärenwald jährlich. An Stationen im Gelände können sie sich über das Leben der Bären informieren. Geführte Touren und Vorträge klären über Wildtierhaltung in Deutschland und die Tierschutzarbeit von „Vier Pfoten“ auf. Hunde sind an der Leine willkommen und können sich vor der Wanderung auf einem Hundespielplatz austoben.
Adresse: Am Bärenwald 1, 17209 Stuer. Telefon: 039924 79118, Web: www.baerenwald-mueritz.de. Öffnungszeiten: 15. März bis 31. Oktober täglich 9–18 Uhr; 1. November bis 14. März täglich 10–16 Uhr. Letzter Einlass eine Stunde vor Schließung.



