Peenemünde im Norden der Insel Usedom hat lange Zeit ein touristisches Schattendasein gefristet. Während die Kaiserbäder im Osten und Seebäder wie Zinnowitz die Urlauber anzogen, blieb Peenemünde oft unbeachtet. Doch das hat sich geändert: Der Ort hat sich zu einem kulturellen Hotspot entwickelt, der Geschichte, Natur, Kultur und Technik vereint.
Historisch-Technisches Museum Peenemünde
Das Historisch-Technische Museum Peenemünde arbeitet die Geschichte der Heeresversuchsanstalt auf, die die Nationalsozialisten ab 1936 betrieben. Hier wurden Raketen und die sogenannten Vergeltungswaffen entwickelt, produziert und getestet. Rund 10.000 Menschen, darunter KZ-Häftlinge, schufteten unter unmenschlichen Bedingungen. Heute präsentiert das Museum diese Themen dreisprachig in modernster Ausstellungstechnik und bietet regelmäßig Sonderausstellungen zur Raumfahrt.
Kulturelle Höhepunkte: Usedomer Musikfestival
Jedes Jahr im Herbst lädt das Usedomer Musikfestival Freunde der Klassik auf die Insel. Peenemünde steht dann besonders im Fokus. Das Festival setzt an diesem Ort, wo systematisch Massenmord geplant wurde, ein Zeichen für Frieden und Völkerverständigung. Das Baltic Sea Philharmonic unter der Leitung von Kristjan Järvi, das junge Musiker aus allen Ostseeländern vereint, sorgt für begeisternde musikalische Erlebnisse.
Denkmal-Landschaft mit App erkunden
Die 25 Quadratkilometer große Gemarkung Peenemünde beherbergt zahlreiche Boden- und Baudenkmale vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Der Rundweg „Denkmal-Landschaft” ist 25 Kilometer lang und umfasst derzeit 23 Stationen. Sensible Bereiche werden ausgespart, während Besucher zu den historisch interessantesten Punkten geführt werden. An jeder Station informiert ein Schild. Die kostenlose App „Peenemünde Denkmal-Landschaft” dient als interaktiver Multimedia-Guide mit historischen Fotos, Filmen, Dokumenten und Zeitzeugenberichten. Die Kartenansicht mit Navigation hilft, die Stationen zu finden, und bietet verschiedene Tourenvorschläge.
Naturerbe Peenemünde: Seltene Arten geschützt
Der Bund hat 156.000 Hektar national bedeutsame Flächen als Nationales Naturerbe an Bundesländer, Naturschutzverbände und Stiftungen übergeben. Die DBU Naturerbe, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, hat rund 70.000 Hektar auf 71 Flächen in zehn Bundesländern übernommen. Die DBU-Naturerbefläche Peenemünde umfasst etwa 2020 Hektar, darunter den Peenemünder Haken, die Halbinsel Struck und die Insel Ruden. Trotz militärischer Nutzung blieben alte Eichen- und Buchenwälder, Kieferwälder auf Dünen sowie nasse Erlen- und Moorbirkenbrüche erhalten. In Bombenkratern und Senken entstanden Klein- und Moorgewässer. Brackwasser-Röhrichte, Sandinseln und Salzgraswiesen dienen Wasservögeln als Rast- und Nahrungsplatz. Der Seeadler brütet mit gleich zwei Paaren im Revier, und auch Fischotter, Marder, Kreuzotter und Heidelerche sind hier heimisch.
Greifswalder Oie: Ein Paradies für Zugvögel
Peenemünde ist Ausgangspunkt für Tagesausflüge zur Greifswalder Oie. Die Insel ist etwa 1550 Meter lang, maximal 570 Meter breit und bis zu 19 Meter hoch. Sie ist ein Naturschutzgebiet, in dem im Herbst und Frühjahr Zugvögel rasten. Fitis, Rotkehlchen, Trauerschnäpper, Wintergoldhähnchen und die seltene Bergbraunelle machen hier Station. Der Verein Jordsand betreut die Insel und führt mit ehrenamtlichen Mitarbeitern Zählungen und Beringungen durch. Ein Leuchtturm bietet einen Rundblick über die Inseln Usedom und Rügen. Am steinigen Strand sonnen sich Kegelrobben mit ihren Jungen – eine Art, die einst vom Aussterben bedroht war, sich aber erfreulich erholt hat.
Peenemünde bietet somit eine einzigartige Kombination aus Naturerlebnissen und historischer Bildung. Ob Wanderer, Radfahrer oder Geschichtsinteressierte – hier kommt jeder auf seine Kosten.



