Ein Jahr vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap im Auftrag von Volksstimme, Mitteldeutscher Zeitung und MDR die politische Stimmung im Land ermittelt. Die repräsentative Umfrage zeigt deutliche Verschiebungen: Die AfD liegt vorn, während Grüne und FDP den Einzug in den Landtag verpassen würden. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) würde hingegen neu ins Parlament einziehen.
Sonntagsfrage: AfD klar vorn
Bei der Frage, welche Partei die Bürger wählen würden, wenn am kommenden Sonntag Landtagswahl wäre, erreicht die AfD 39 Prozent. Die CDU kommt auf 23 Prozent, die SPD auf 11 Prozent, die Linke auf 5 Prozent, das BSW auf 6 Prozent. Grüne (3 Prozent) und FDP (2 Prozent) würden an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Im Vergleich zur Landtagswahl 2021 verliert die CDU 14 Prozentpunkte, die AfD gewinnt 18 Prozentpunkte hinzu. Das BSW ist neu im Parlament vertreten.
Zufriedenheit mit Landesregierung gering
Obwohl die aktuelle Landesregierung aus CDU, SPD und FDP weitgehend ohne öffentliche Streitigkeiten arbeitet, ist die Zufriedenheit der Bevölkerung gering. Nur 38 Prozent der Befragten sind mit der Arbeit der Regierung zufrieden. Besonders Anhänger von AfD und BSW äußern Unzufriedenheit. Die Zuversicht in die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes ist ebenfalls gedämpft: Nur 29 Prozent blicken optimistisch in die Zukunft.
Wichtigste Probleme: Migration und Sicherheit
Die Umfrage zeigt, dass die Bürger vor allem die Themen Asyl und Migration (38 Prozent) sowie innere Sicherheit (18 Prozent) als drängendste Probleme ansehen. Die Wirtschaftspolitik folgt mit 15 Prozent. Auf die Frage, welcher Partei die Lösung dieser Probleme am ehesten zugetraut wird, nennen 28 Prozent die AfD, 22 Prozent die CDU. Jeder vierte Befragte glaubt, dass keine Partei die Probleme lösen kann.
Bekanntheit der Spitzenkandidaten
Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) ist mit 97 Prozent Bekanntheit der mit Abstand bekannteste Spitzenkandidat. Sein Herausforderer von der AfD, Oliver Kirchner, ist nur 35 Prozent der Befragten bekannt. Die Spitzenkandidaten von SPD, Grünen und Linken liegen bei Bekanntheitswerten zwischen 30 und 50 Prozent. Die Zufriedenheit mit Haseloff ist mit 56 Prozent ebenfalls am höchsten; alle anderen Kandidaten erreichen Werte unter 30 Prozent.
Wechselstimmung? Mehrheit will CDU-Ministerpräsidenten
Trotz der hohen Umfragewerte für die AfD wünscht sich eine relative Mehrheit von 42 Prozent, dass die CDU auch künftig den Ministerpräsidenten stellt. Nur 28 Prozent bevorzugen einen AfD-Regierungschef. Die Frage nach der Wechselstimmung zeigt, dass 38 Prozent einen Regierungswechsel wünschen, 25 Prozent sind mit der aktuellen Regierung zufrieden, der Rest ist unentschieden.
Verteidigung und Sicherheit: Thema mit gespaltener Resonanz
Die Diskussion über Verteidigung und Sicherheit nach dem russischen Überfall auf die Ukraine findet eine knappe Mehrheit von 52 Prozent der Befragten angemessen. Unter Anhängern von AfD und BSW ist die Zustimmung geringer; hier halten nur 30 bzw. 35 Prozent die Debatte für richtig. Insgesamt zeigt die Umfrage ein Stimmungsbild, das bis zur Wahl im September 2026 noch deutlichen Veränderungen unterliegen kann.



