NS-Zwangsarbeit: Franzose erinnert sich 50 Jahre später an Stolberg
NS-Zwangsarbeit: Franzose erinnert sich an Stolberg

Stolberg/MZ. - Andre Baillet war 21 Jahre alt, als er am 1. November 1942 nach Stolberg deportiert wurde. Der junge Franzose stammte aus Poitiers; von dort wurde er von den deutschen Besatzern zur Zwangsarbeit in den Harz gebracht. Was er damals nicht ahnen konnte: dass er bis zur Befreiung durch US-Soldaten im April 1945 insgesamt zweieinhalb Jahre dort sein würde.

Die Erinnerungen eines Franzosen

Fünfzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, im Jahr 1995, setzte sich Andre Baillet hin und schrieb seine Erlebnisse auf. In seinen Aufzeichnungen schildert er nicht nur die Schrecken der Zwangsarbeit, sondern auch die kleinen Momente der Menschlichkeit, die ihm halfen, zu überleben. Baillet berichtet von der harten Arbeit in den Stolberger Betrieben, von Hunger und Kälte, aber auch von Begegnungen mit deutschen Zivilisten, die ihm heimlich Essen zusteckten.

Ein gemischtes Fazit

Überraschend ist, dass Baillet in seinen Memoiren nicht nur negative Erinnerungen festhielt. Er schrieb auch, dass die Zeit für ihn trotz allem ihr Gutes hatte. Er lernte Deutsch, knüpfte Kontakte und entwickelte eine Art Durchhaltevermögen, das ihn für sein weiteres Leben prägte. Nach der Befreiung kehrte er nach Frankreich zurück, aber die Erinnerungen an Stolberg blieben.

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Dieser Bericht ist Teil 8 der MZ-Serie über „Zwangsarbeit in Mansfeld-Südharz“. Die Serie beleuchtet die Geschichte der tausenden Zwangsarbeiter, die während des Zweiten Weltkriegs in der Region ausgebeutet wurden. Baillets Geschichte ist ein Beispiel für die vielen Schicksale, die oft vergessen werden.

Die Stadt Stolberg im Harz war einer der Orte, an dem die Nationalsozialisten ein Netz von Zwangsarbeitslagern errichteten. Neben „Ostarbeitern“ aus Osteuropa wurden auch Gefangene aus Westeuropa, wie Baillet, dorthin verschleppt. Die Bedingungen waren brutal, und viele überlebten die Strapazen nicht.

Andre Baillet starb im Jahr 2008, doch seine Aufzeichnungen bleiben ein wertvolles Zeitzeugnis. Sie zeigen, wie ein junger Mann unter unmenschlichen Bedingungen nicht nur überlebte, sondern auch Stärke und sogar positive Aspekte in dieser dunklen Zeit fand.

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