Am kommenden Sonntag lädt die Domgemeinde Güstrow zu einem außergewöhnlichen Gottesdienst ein. Rund 60 Ritter, mindestens zwei Grafen sowie ein Prinz werden in den Güstrower Dom einziehen, um gemeinsam mit den Besuchern den jährlichen Rittertag des Mecklenburger Johanniterordens zu begehen. Gleichzeitig feiert der Dom sein 800-jähriges Bestehen, wie Dieter Pocher vom Domgemeinderat mitteilte.
Ein festlicher Gottesdienst mit historischem Flair
Während des Gottesdienstes ab 10 Uhr werden die etwa 60 Johanniter-Ritter in langen schwarzen Kutten mit dem achtspitzigen rotweißen Kreuzsymbol Einzug halten. Sie folgen dem johannitischen Brauch und feiern das Abendmahl. Die Ritter haben ihre Wurzeln in Mecklenburg, leben aber in ganz Deutschland. Alle Gottesdienstbesucher sind eingeladen, Brot und Wein Christi miteinander zu teilen, betonte Dieter Pocher.
Zudem werden zwei Herren mit klingenden Namen in die ritterliche Runde aufgenommen: Bela von Raggamby sowie Niklot Herzog von Mecklenburg-Solodkoff. Erwartet werden auch der Herrenmeister der Johanniter, Prinz Oskar von Preußen, sowie der Kommendator der Mecklenburger Genossenschaft, Franz Graf Schwerin. Das Ehrenritterkreuz wird Alexander Graf von Schwerin von Schwanenfeld verliehen, ein Nachfahre des Widerstandskämpfers Ulrich-Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld, der am Hitler-Attentat beteiligt war und 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde.
Eine besondere Ehre für Güstrow
„Das alles ist etwas sehr Besonderes für Güstrow“, sagte Dieter Pocher. Die Johanniter seien begeistert gewesen, ihr jährliches Treffen dieses Mal im Güstrower Dom zu verbringen, der 800 Jahre alt wird. Auch der Johanniterorden blickt auf eine lange Geschichte zurück: Er wurde im 11. Jahrhundert gegründet und führte zu Kreuzfahrerzeiten ein Krankenhaus in Jerusalem.
Diakonische Arbeit mit langer Tradition
Das Leitbild des Ordens, die „helfende Tat und das heilende Wort“, hat eine lange Tradition. Johanniter engagieren sich diakonisch in Seniorenheimen, Hospizen, Kitas, Krankenhäusern und Behinderteneinrichtungen. Seit 1947 sind sie Bestandteil der Evangelischen Kirche und in 50 Ländern mit 17 internationalen Johanniterhilfsgemeinschaften aktiv, erklärte Dieter Pocher.
Die Domgemeinde sammelt regelmäßig Kollekten für die Evangelische Schule in Walkendorf, die johanniterlich begleitet wird. Deren Leiterin Anke Bochert trägt seit 2025 die Ehrennadel des Johanniterordens. Zudem spendet die Gemeinde Wärmeakkus für die Ukrainehilfe.
Predigt von Bischof Tilman Jeremias
Die Predigt im Gottesdienst hält Bischof Tilman Jeremias. Aufgrund der besonderen Zeremonien wird der Gottesdienst fast zwei Stunden dauern. Danach gibt es die Möglichkeit, die Ritter im Gemeindehaus bei Kaffee und Kuchen zu treffen.
Wie wird man Ritter?
Franz Graf von Schwerin erklärte die Voraussetzungen: „Voraussetzung ist das Bekenntnis zum christlichen Glauben in protestantischer Form. Zudem nehmen wir nur Herren auf, die Kirchenmitglieder sind und sich mit den Zielen des Ordens identifizieren können. Der Doppelauftrag besteht darin, den Glauben in der Welt zu vertreten und Menschen in Not zu helfen. Schon damals machte der Orden bei der Pflege der Kranken keinen Unterschied hinsichtlich Herkunft oder Glauben.“
Neumitglieder werden in Familien, Freundes- und Kollegenkreisen oder bei ehrenamtlichen Aktivitäten in Kirchengemeinden gesucht. „Wo immer wir Herren identifizieren, werden diese intern vorgeschlagen, eingeladen und mit dem Orden vertraut gemacht.“
Anders sei es bei der Mitarbeit in den Johanniter-Werken wie der Unfall-Hilfe oder in einer Hilfsgemeinschaft des Ordens. „Hier können sich Menschen von sich aus melden“, wirbt Franz Graf von Schwerin. „Aber passen muss es dennoch – die christliche Motivation ist wichtig.“



