Romely Pfund begeht im Mai 2026 ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum. Die Dirigentin, die 1987 als erste Frau in der DDR zur Chefdirigentin berufen wurde, blickt auf eine außergewöhnliche Karriere zurück. Besonders geprägt haben sie die neun Jahre an der Spitze der Neubrandenburger Philharmonie.
Frühe Weichenstellung in der DDR
Bereits als Schülerin an der Erweiterten Oberschule in Dresden sammelte Romely Pfund erste Erfahrungen als Dirigentin von Laienchören. Ihr Vater war Musiker, ihre Mutter Solotänzerin – die künstlerische Prägung war früh da. Von 1974 bis 1979 studierte sie an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ in Dresden. Ihr wichtigster Lehrmeister war Generalmusikdirektor Professor Rudolf Neuhaus, der großen Wert auf Praxis legte. „Ich habe schon im Studium selbstverständlich durchgehend gearbeitet“, erinnert sie sich. So war sie als Assistentin des Philharmonischen Chores und als Repetitorin tätig. Bereits in dieser Zeit stand sie zum ersten Mal als Dirigentin vor einem großen Orchester.
Erste Chefdirigentin der DDR
1987 wurde Romely Pfund zur Chefdirigentin der Neubrandenburger Philharmonie berufen – als erste Frau in der DDR. In einem Interview kurz vor ihrem ersten Philharmonischen Konzert erklärte die damals 32-Jährige: „Wenn man mit klaren Vorstellungen vors Orchester tritt, weiß, was man will, dann wird man auch akzeptiert.“ Die Musiker hatten sie zuvor gewählt, und sie akzeptierten sie. Ihr Premierenkonzert umfasste Werke von Mendelssohn-Bartholdy, Mozart und Siegfried Matthus – moderne klassische Kost. Das Publikum honorierte die Leistung mit „lang anhaltendem herzlichem Beifall“.
Internationale Begegnungen
Wenige Wochen vor ihrem Start in Neubrandenburg nahm Romely Pfund am Internationalen Tanglewood Music Festival in Massachusetts teil. Dort stand sie mit der Dirigentenlegende Leonard Bernstein auf der Bühne und dirigierte die Haydn-Sinfonie Nr. 102. Dieses Erlebnis prägte sie nachhaltig. Weitere Vorbilder waren Kurt Masur, den sie als Vaterfigur sah, und Seiji Ozawa.
Aufbau der Konzertkirche
Romely Pfunds Wirken ist eng mit dem Aufbau der Konzertkirche in Neubrandenburg verbunden. Nachdem die Stadt die Ruine der Marienkirche seit Mitte der 1970er-Jahre wieder aufbaute, initiierte Pfund die ersten Benefizkonzerte in der noch unfertigen Halle. „Trotz der Verhältnisse war die Begeisterung der Neubrandenburger riesig. Wir waren immer ausverkauft, obwohl die Leute quasi im Dreck standen“, erinnert sie sich. Das Orchester sei elektrisiert gewesen – es war eine wunderbare Zeit der Aufbruchsstimmung.
Privates Glück in Neubrandenburg
Mit der Deutschen Einheit brauchte die Philharmonie eine neue Rechtsform. Romely Pfund suchte juristischen Rat und fand dabei den Mann fürs Leben: den Steuerberater Christian Schwandt. „Ich habe mich sofort in ihn verliebt“, gesteht sie. Das Paar heiratete und bekam Anfang der 1990er-Jahre zwei Kinder. „Lange frei gemacht habe ich wegen der Kinder aber nicht. Es war ja immer so viel zu tun“, sagt sie. Christian Schwandt war später Geschäftsführer der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz und Theaterdirektor in Lübeck. Seit 2021 führt er als Geschäftsführer das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin.
Karriere nach Neubrandenburg
Nach neun Jahren verließ Romely Pfund Neubrandenburg. Sie war unter anderem Generalmusikdirektorin der Bergischen Symphoniker (1998–2009) und Operndirektorin am Landestheater Neustrelitz (2009–2013). Anschließend lehrte sie als Dozentin an der Musikhochschule Lübeck. „Nebenbei“ verantwortete sie zahlreiche Konzert- und Musiktheaterprojekte in ganz Deutschland. Von den 130 deutschen Orchestern dirigierte sie 70. In 50 Jahren leitete sie knapp 1400 Konzerte und 65 Musiktheaterproduktionen.
Bleibende Verbindung zur Region
Der Kontakt zur Neubrandenburger Philharmonie riss nie ab. „Die Philharmonie ist ein sehr treues Orchester“, sagt Pfund. Reinhard Bellmann, seit 1991 Solocellist, erinnert sich an seine erste Chefdirigentin als stets „gut gelaunt und gut vorbereitet“. „Frau Pfund hat es hervorragend verstanden, unserem Publikum in vielen Konzerten durch ihre kurzweiligen und interessanten Moderationen die Musik näherzubringen“, lobt er. Dass es die Neubrandenburger Philharmonie bis heute gibt, sei nicht zuletzt ihr Verdienst.
Jubiläumskonzert in Lübeck
Anlässlich ihres 50-jährigen Bühnenjubiläums dirigiert Romely Pfund am 9. Mai 2026 im Theater Lübeck ein Konzert mit Werken von Joseph Haydn, Johannes Brahms und Leonard Bernstein. Das Konzert sei aber kein Abschied von der Bühne, versichert sie. „Ich dirigiere nach wie vor sehr gerne. Mal schauen, was die Zeit bringt.“



