Rostocks Stadthafen-Millionenprojekt: Kostenexplosion durch Inflation und Bauverzögerungen droht
Das Mega-Bauprojekt am Rostocker Stadthafen soll die Hansestadt nachhaltig prägen und neue Attraktionen schaffen. Doch die ambitionierten Pläne für die Umgestaltung des Hafengebiets könnten deutlich teurer ausfallen als ursprünglich kalkuliert. Die Stadtverwaltung warnt bereits vor steigenden Gesamtkosten, die vor allem durch die anhaltende Inflation getrieben werden.
Vier Teilbereiche und ein Jahrzehnte-Projekt
Die Umgestaltung des zentralen Stadthafens ist als langfristiges Vorhaben konzipiert, das sich über mindestens zehn Jahre erstrecken wird. Das Projekt gliedert sich in vier wesentliche Teilbereiche: Christinenhafen West, Christinenhafen Ost, die Dünenlandschaft und das bereits im Bau befindliche Kempowski-Ufer. Hier erfolgte Anfang 2025 der erste Rammschlag, und bis zum Herbst soll diese Baustelle trotz kleinerer Verzögerungen fertiggestellt sein.
Nicht nur die Herstellung der Funktionstüchtigkeit der Hafenanlagen und notwendige Hochwasserschutzmaßnahmen stehen im Fokus, sondern auch eine deutliche Aufwertung des Stadtbildes. Geplant sind unter anderem:
- Ein neuer Spielplatz für Familien
- Terrassenartige Stufen am Ufer
- Ausgedehnte Grünbereiche
- Eine moderne Promenade
- Eine multifunktionale Veranstaltungsfläche
Abhängigkeit von Großprojekten: Warnowbrücke und Museum
Der Zeitplan für die Hafenumgestaltung hängt maßgeblich von der Realisierung zweier Großprojekte ab. Zum einen von der geplanten Warnowbrücke, die sich wie ein Aal über die Unterwarnow spannen soll und deren Fertigstellung für 2029 erwartet wird. Zum anderen vom Archäologischen Landesmuseum, das im Bereich Christinenhafen Ost entstehen soll, auch wenn alternative Standorte wie das sanierungsbedürftige Gebäude der Societät diskutiert werden.
„Der Zeitplan zur Umgestaltung des zentralen Stadthafens ist unter anderem abhängig von den Umsetzungszeiträumen der geplanten Großprojekte wie der Warnowbrücke, dem Hochwasserschutzbauwerk oder auch dem Archäologischen Landesmuseum“, betont die Stadtverwaltung. Die Umgestaltung der Teilbereiche Christinenhafen Ost und West sowie der Dünenlandschaft ordnet sich diesen „Zeitketten“ unter.
Baubeginn und Verfahrenslage
Wenn alles nach Plan verläuft, sollen die Arbeiten an der Warnowbrücke bereits ab September dieses Jahres beginnen. Bis zum 31. Juli läuft das Vergabeverfahren für große Teile der Bauarbeiten, parallel dazu ist der Neubau der Regattastrecke ausgeschrieben. Allerdings prüft das Landesamt für Straßenbau und Verkehr derzeit noch intensiv die Unterlagen zum Planfeststellungsbeschluss für die Warnowbrücke.
„Wir prüfen derzeit die Unterlagen rund um den Planfeststellungsbeschluss zur Warnowbrücke. Ein genauer Termin für den Abschluss des Verfahrens können wir noch nicht genau benennen“, erklärt Michael Friedrich, Sprecher des Landesamtes. „Die Unterlagen werden aber mit Hochdruck geprüft.“
Kostenentwicklung und Finanzierungsmodell
Insgesamt sollen in den kommenden Jahren dreistellige Millionenbeträge an und über der Warnow verbaut werden. Allein für die Arbeiten im Bereich des Stadthafens wird derzeit mit rund 60 Millionen Euro kalkuliert. „Aktuell liegen die Gesamtkosten noch in diesem Rahmen“, teilt die Stadt im April mit, setzt aber bedeutungsvoll das Wort „noch“ in den Fokus.
Die abschnittsweise Realisierung über mindestens ein Jahrzehnt und die anhaltende Inflation werden die Gesamtkosten voraussichtlich deutlich steigen lassen. Auch die Finanzierung erfolgt bewusst in Abschnitten: Fördermittel werden nur portionsweise beantragt, um nicht alles aus dem städtischen Haushalt bezahlen zu müssen. Für den ersten Bauabschnitt am Kempowski-Ufer sind bereits Mittel geflossen.
Parallel zu den Hafenumgestaltungsarbeiten beginnen am 13. April weitere Bauaktivitäten: Misch- und Schmutzwasserdruckleitungen am Warnowquartier werden umverlegt, was zeigt, wie komplex und vielschichtig dieses Jahrhundertprojekt für Rostock tatsächlich ist.



