Schwesig hält sich bei Wal-Rettung zurück: Wahlkampf-Strategie
Schwesig meidet Timmy-Wahlkampf aus gutem Grund

Seit über drei Wochen kämpft der Buckelwal Timmy vor der Insel Poel um sein Leben. Stets an seiner Seite ist Umwelt- und Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hingegen hält sich auffällig zurück. Warum macht sie die Rettung des Wals nicht zur Chefsache? Schließlich steht im September die wichtige Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern an.

Intern: Timmy-Thema nervt die Wähler

Ein Beamter der Landesregierung erklärt gegenüber BILD: „Das Thema geht den Leuten hier inzwischen auf den Sack.“ Die Menschen vor Ort hätten ganz andere Sorgen: den Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie die gestiegenen Kosten beim Tanken und Einkaufen.

Schwesig setzt auf Benzinpreise statt Wal-Rettung

Laut Regierungsinsidern hat Schwesig ein feines Gespür für die Stimmung im Land. Sie fordert öffentlichkeitswirksam von der Bundesregierung Maßnahmen gegen die hohen Spritpreise. Zum Wal schweigt sie, denn die Rettungsaktionen spalten die Wähler. Die Ministerpräsidentin soll sogar froh über den Tatendrang ihres Ministers sein, denn Backhaus hält ihr den Rücken für einen brettharten Wahlkampf frei. Hauptgegner ist die AfD, die in Umfragen zwischen 34 und 37 Prozent liegt, während die SPD nur auf 23 bis 26 Prozent kommt.

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AfD hält sich ebenfalls zurück

Auch Schwesigs Hauptgegner, die AfD, meidet das Thema. Landeschef Leif-Erik Holm (55) sagt zu BILD: „Man hat schon den Eindruck, dass der SPD-Minister hier vor allem versucht, beim Publikum zu punkten. Wir haben uns bei dem Thema bewusst zurückgehalten. Mögen seriöse Forscher den besten Weg für Timmy finden.“

Das wahre Problem: Niedrige Löhne und Fachkräftemangel

In keinem Bundesland sind die Löhne und Gehälter so niedrig wie in Mecklenburg-Vorpommern. Das mittlere Bruttoeinkommen lag 2024 in Deutschland bei 52.000 Euro, in Mecklenburg-Vorpommern sind es rund 40.000 Euro – mehr als 20 Prozent weniger. Hinzu kommt das Fachkräfteproblem: 27 Prozent der Bevölkerung sind 65 Jahre oder älter (Bundesdurchschnitt: 22 Prozent). Die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter wird in den kommenden Jahren deutlich stärker sinken als im Bundesdurchschnitt.

Timmy: Ein Hochrisiko-Thema für die SPD

Die Rettung des Wals birgt politische Risiken. Die Wahrscheinlichkeit, dass Timmy vor der Küste stirbt, ist relativ hoch. Gelingt die Rettung, kann sich Schwesig noch neben Backhaus stellen und ihm auf die Schulter klopfen. Geht das Drama schief, war sie weit genug weg. So sichert sie sich für den Wahlkampf ab.

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