Ein Glücksschimmer liegt auf ihrem Gesicht. Mutter und Kind sind in Seligkeit gehüllt. Für Roksana Temiz (42) und ihren Mann Hikmet (53) ist die kleine Ayla ein Segen, sagen sie. Denn mit weiterem Nachwuchs hatten sie nicht gerechnet. „Eigentlich war unsere Familienplanung abgeschlossen“, sagt Roksana und lacht. BILD besucht sie in der Geburtsklinik der Charité in Berlin-Mitte. „Das neunte Kind war definitiv nicht geplant. Wir dachten vielmehr: Wir warten jetzt auf unsere Enkelkinder.“
Am 21. April um 10.21 Uhr eroberte Ayla (türkisch: „Mondschein“) ihre Herzen. Die neue Erdenbürgerin kam mit 3090 Gramm und 50 Zentimetern auf die Welt. „Hätte ich gewusst, wie glücklich sie uns und die ganze Familie macht, dann hätten wir sie natürlich geplant“, sagt die Mutter.
Charité-Professor leitet Kaiserschnitt
Charité-Professor Wolfgang Henrich, Chefarzt der Geburtsmedizin, nahm die Entbindung per Kaiserschnitt vor. „Nach zwei vorausgegangenen Kaiserschnitten entscheiden sich die meisten Schwangeren erneut für eine Operation. Meist sind wiederholte Kaiserschnitte unproblematisch, gelegentlich kommt es im Bauchraum zu Verwachsungen“, erklärt er. „Aber hier gab es keinerlei Auffälligkeiten.“
Der Moment der Geburt war unbeschreiblich
Bei einem Kaiserschnitt soll für die Eltern die Geburt im Vordergrund stehen und nicht der chirurgische Eingriff. Der OP-Vorhang wird rasch abgesenkt. „Erst sah ich ihr Köpfchen, dann einen Arm, dann den anderen“, sagt Roksana. „Der Moment war unbeschreiblich.“ Tränen flossen. Der Papa durfte die Nabelschnur durchschneiden. „Die Kleine wurde sofort an meine Brust gelegt und begann zu nuckeln.“
Henrich hatte Roksana auch schon während der Sechslingsschwangerschaft 2008 betreut. In einer anderen Klinik wurde ihr geraten, einige der Mehrlinge im Bauch mit einer Spritze ins Herz abtöten zu lassen, um die Überlebenschancen der anderen zu erhöhen und das Frühgeburtsrisiko zu senken. „Ich sollte entscheiden, welches Kind stirbt“, berichtet Roksana noch heute fassungslos. Als sie damals verzweifelt in Henrichs Sprechstunde anrief, sagte er ihr: „Da ihre Entscheidung gegen die Reduktion gefallen ist, ziehen wir das durch…“ Und holte in der 27. Schwangerschaftswoche alle sechs gesund auf die Welt.
Die große Familie als Stütze
Die sorgenvolle Zeit liegt hinter ihnen. „Es ist das erste Mal, dass ich die Babyzeit richtig genießen kann“, schwärmt Roksana. „Bei meiner erstgeborenen Tochter war ich noch sehr jung und unerfahren, die Sechslinge waren mit Still- und Wickelprotokollen wie Fließbandarbeit und unser Nachzügler kam nur ein Jahr später...“ Heute sind die Großen – Meryem (21), Rana, Adem, Esma, Zeynep, Zehra und Ahmed (17) und Mussa (16) – ihre Stütze. „Alle wollen Ayla auf dem Arm halten und mir helfen.“
Kritik auf Social Media
Auf Social Media bekommt die Neunfach-Mama aber auch Kritik. „Viele Leute tragen Hass in sich“, sagt sie. „Das sind Menschen, die uns nicht kennen. Mein Mann und ich sind berufstätig, zahlen Steuern.“ Die gebürtige Polin kam mit fünf Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland, ist erfolgreiche Influencerin (383.000 Follower). Auf Instagram und Youtube berichtet sie über ihren Familienalltag. Hikmet (geboren in Berlin, entstammt einer türkischen Arbeiterfamilie) jobbte als Entrümpler und arbeitet in einem Autohaus in Werkstatt und Verkauf.
„Viele Follower bedanken sich auch für die Einblicke in unser Familienleben. Manche sagen, wir tragen zu einem Austausch der Kulturen bei. Auch wenn andere Leute ein Problem haben, wir sind glücklich.“



