Merseburg. Mehr als 80 Jahre lang musste die einzig verbliebene Glocke im Turm der Merseburger Stadtkirche St. Maximi ein einsames Dasein fristen. Nun hat sie endlich Gesellschaft bekommen. Am Freitag herrschte Trubel auf dem Grünen Markt vor der evangelischen Kirche, denn ein besonderes Ereignis stand an: Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wurde wieder eine zweite Glocke in den Turm gehoben.
Zwei Glocken 1943 eingeschmolzen
Im Jahr 1943, während des Zweiten Weltkriegs, wurden zwei der drei Glocken der Stadtkirche Merseburg eingeschmolzen, um Metall für die Rüstungsproduktion zu gewinnen. Seitdem versuchte die Kirchengemeinde, die verlorenen Glocken zu ersetzen. Doch die finanziellen Mittel fehlten lange Zeit. Nun gelang es der Gemeinde, eine Lösung zu finden – ohne große Geldsummen.
Glocke aus Kapelle Freiimfelde
Die neue Glocke stammt aus der Kapelle Freiimfelde und wurde bereits 1937 gegossen. Am Freitag wurde sie unter den Augen vieler Merseburger in den Stadtkirchenturm transportiert. Die Aktion war ein echtes Gemeinschaftsereignis, das viele Schaulustige anzog. Die Glocke ersetzt eine der im Krieg verlorenen und sorgt nun dafür, dass wieder mehr als eine Glocke im Turm erklingt.
Finanzierung durch Eigeninitiative
Da der Gemeinde die nötigen Mittel für einen Neukauf fehlten, behalf man sich mit einer kreativen Lösung. Die Glocke aus Freiimfelde wurde der Kirche überlassen, sodass nur die Kosten für den Transport und die Installation anfielen. So konnte das Projekt trotz knapper Kasse realisiert werden. Für die Zukunft hofft die Gemeinde, auch die dritte Glocke ersetzen zu können, um das ursprüngliche Geläut wiederherzustellen.
Der historische Tag war für die Merseburger ein Grund zur Freude. Viele kamen, um den Moment zu erleben, als die Glocke ihren Platz im Turm fand. Pfarrer und Gemeindemitglieder zeigten sich erleichtert und dankbar, dass nun wieder ein volleres Geläut möglich ist. Die Stadtkirche St. Maximi hat damit ein Stück ihrer Geschichte zurückgewonnen.



