Beschlossen: „Menschenverachtend“ – Ehrenbürgerschaft für DDR-Fußballhelden nach geheimer Debatte abgelehnt
Teterows Stadtvertreter haben es abgelehnt, dem Olympiasieger von 1976 die höchste Auszeichnung der Stadt zu verleihen. Die Gründe für die Entscheidung sollen geheim bleiben.
Teterow • Lesedauer: 2 min
Teterows Bürgervorsteher Christian Wolter hätte dem ehemaligen Nationalspieler Gerd Kische gewiss gern eine andere Nachricht überbracht, als dass es mit der Ehrenbürgerschaft nichts wird. Die DDR-Fußballlegende Gerd Kische wird kein Ehrenbürger in seiner Heimatstadt Teterow. Die Stadtvertreter haben es am Donnerstagabend unter Ausschluss der Öffentlichkeit mehrheitlich abgelehnt, dem ehemaligen Spieler der DDR-Nationalmannschaft die Ehrenbürgerschaft zu verleihen. Über das Ergebnis der Abstimmung informierte am Freitag Teterows Bürgervorsteher Christian Wolter (AfD). Nach Informationen des Nordkurier soll es im nichtöffentlichen Teil der Sitzung eine längere, emotionsgeladene Diskussion über die Person Gerd Kische gegeben haben. Mit welchen Gründen die Mehrheit der Stadtvertreter schließlich gegen die höchste Auszeichnung der Stadt Teterow gestimmt hat, wollte der Bürgervorsteher nicht sagen.
Ehrenbürgerschaft zur „Personalangelegenheit“ erklärt
Die Stadtvertreter hatten am Donnerstagabend auf Antrag des CDU-Fraktionsvorsitzenden Oliver Nawotke den Beschluss zur Ehrenbürgerschaft zur „Personalangelegenheit“ erklärt und damit in den geschlossenen Teil der Sitzung verschoben. Über einzelne Personen sollte im nichtöffentlichen Teil der Sitzung gesprochen werden, meinte Nawotke. Der Vorschlag, Kische zum Ehrenbürger von Teterow zu ernennen, kam von den Fraktionen der AfD, „Die Teterower“ und UTF. Die drei Fraktionen haben mit elf von 21 Stadtvertretern eigentlich die Mehrheit im Hohen Haus von Teterow, die aber durch die Abwesenheit von Thomas Gütschow (Die Teterower) am Donnerstagabend nicht zum Tragen kam.
AfD-Fraktions-Chef kritisiert Diskussion
AfD-Fraktions-Chef Mathias Schmitus sprach nach der Sitzung von einer „beschämenden Art und Weise“ der Diskussion über die Person Gerd Kische. Schmitus warf CDU- und SPD-Abgeordneten vor, mit „Falschbehauptungen und Verleumdungen“ argumentiert zu haben, die „teilweise menschenverachtend und unter die Gürtellinie“ gegangen seien.
AfD will sich bei Gerd Kische jetzt entschuldigen
Der gebürtige Teterower Gerd Kische hatte im Jahr 1976 mit der Olympiaauswahl der DDR im kanadischen Montreal die Goldmedaille geholt. „Gerd Kische ist damit der bislang einzige Olympiasieger der Stadt“, hieß es von den drei Fraktionen. Anlass für die Auszeichnung sollte der 50. Jahrestag des Olympiasieges sein. „Seine sportlichen Leistungen haben zur überregionalen Bekanntheit der Stadt Teterow, wo er auch seine Fußballkarriere begann, beigetragen“, schreiben AfD, UTF und „Die Teterower“ über Gerd Kische. Die drei Fraktionen hatten den heute 74-Jährigen auch über ihren Beschlussvorschlag informiert. „Gerd Kische würde die Ehrenbürgerschaft annehmen“, hieß es. Nun wolle man sich bei ihm für die gescheiterte Ehrung entschuldigen, kündigte Mathias Schmitus an: „Wir werden ihm sagen, dass es uns sehr leid tut und dass er für uns ein Sympathieheld bleibt.“



