Holocaust-Überlebende mahnt in Ravensbrück zur Versöhnung
Versöhnung in Ravensbrück: Überlebende appelliert

In der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück im Norden Brandenburgs haben Holocaust-Überlebende mit bewegenden Worten an die Befreiung des Frauen-Konzentrationslagers vor 81 Jahren erinnert. „Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass sich alle Völker, die einander feindlich gegenüberstehen, miteinander versöhnen - so wie ich mich mit den Deutschen versöhnt habe“, sagte Janina Iwańska (95) aus Polen. Sie war als politische Gefangene im KZ Ravensbrück inhaftiert.

Weg von Hass zu Freundschaft

Bei der Gedenkveranstaltung berichtete Iwańska von ihrem langen Weg von Hass und Wut auf die Deutschen bis zur Versöhnung. Mit jeder Reise nach Ravensbrück sei ihre Wut kleiner geworden, die Freundlichkeit sei von Begegnung zu Begegnung gewachsen, sagte sie. „Heute habe ich an all diesen Orten Freunde.“ Auch die Überlebenden Richard Fagot (90) aus Israel, Ib Katznelson (84) aus Dänemark und Ingelore Prochnow (82) aus Deutschland nahmen an der Gedenkveranstaltung teil.

Appell an die Gesellschaft

„Das 'Nie wieder' entscheidet sich in unserem Verhalten, jeden Tag“, betonte Brandenburgs Kultur- und Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD). „Unsere Kinder und Enkel werden uns eines Tages fragen, was wir aus den Erinnerungen und Appellen der Überlebenden gemacht haben. Die Antwort liegt nicht in großen Reden. Sie liegt darin, ob wir die Sprache verändern, in der wir über andere Menschen sprechen. Ob wir den Mund aufmachen, wenn Menschen ausgegrenzt, beleidigt oder bedroht werden. Und ob wir unser Zusammenleben so gestalten, dass die einfachen Antworten der Ideologen nicht verfangen.“ Auch Gedenkstättenleiter Andreas Genest betonte, es gelte, Ausgrenzung und Anfeindungen entgegenzutreten.

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Das KZ Ravensbrück

In Ravensbrück ließ die sogenannte Schutzstaffel der Nazis 1939 das größte deutsche Frauen-Konzentrationslager errichten, in das später auch Männer kamen. Zwischen 1939 und 1945 waren laut Gedenkstätte mehr als 120.000 Frauen, 20.000 Männer und etwa 1.200 weibliche Jugendliche dort inhaftiert. Zehntausende wurden ermordet oder starben an Hunger, Krankheit oder durch medizinische Experimente. Die Gedenkstätte erinnert heute an die Opfer und mahnt zu Toleranz und Menschlichkeit.

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