Die Insel Poel ist zum Wallfahrtsort geworden – doch für die Gastronomen am Hafen von Kirchdorf ist die Situation alles andere als ein Segen. Seit der Strandung von Buckelwal Timmy in der Wismarer Bucht bleiben die Gäste aus. Die Restaurantbetreiber klagen über massive Umsatzeinbußen.
Kellnerin berichtet von 50 bis 60 Prozent weniger Einnahmen
Mandy Hartung (51), Kellnerin im Restaurant „Krönings Fischbaud“, beschreibt die Lage als wirtschaftliche Katastrophe. Normalerweise seien an Wochenenden der Innenraum und bei schönem Wetter auch die Terrasse voll besetzt. Tagestouristen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern, aus Schwerin oder Rostock kämen zum Fischessen. Doch seit Timmy gestrandet ist, sei damit Schluss. „Sonst war hier volle Hütte, jetzt stehen wir mehr herum, als zu arbeiten!“, sagt Hartung. Die Polizei sperrte die Zufahrt zum Hafen und den Parkplatz für Helfer. Die Sperrung wurde zwar teilweise aufgehoben, die Auswirkungen seien aber weiterhin spürbar. Viele Gäste, die normalerweise mit dem Auto kämen, blieben aus. Auch Angehörige, die ältere Menschen mit Rollator oder Rollstuhl vor das Restaurant fahren, fehlten. Zudem hätten viele Gäste keine Lust auf den Trubel mit den vielen Demonstrationen. Reservierte Tische wurden telefonisch abgesagt. Hartung beziffert den Umsatzrückgang auf 50 bis 60 Prozent.
Hafen-Räucherei bestätigt Einbußen
Auch ein Mitarbeiter der Hafen-Räucherei bestätigt gegenüber BILD eine Umsatzeinbuße von 50 Prozent. Der direkte Fischverkauf sei komplett weggebrochen. Die Helfer und Journalisten, die sich derzeit auf Poel aufhalten, könnten die Verluste nicht ausgleichen. Die Gastronomen hoffen daher, dass Timmy schnell seinen Weg findet – nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen. „Wir fiebern natürlich mit ihm mit. Sein Schicksal lässt uns auch nicht kalt“, sagt Kellnerin Hartung.
Landwirt fühlt sich in seiner Existenz bedroht
Neben den Gastronomen ist auch ein Landwirt (56) betroffen. Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland sagte er: „Ich wohne schon mein Leben lang auf der wunderschönen Insel Poel. Aber so einen Terror habe ich in meinem ganzen Leben hier noch nie gehabt.“ Er erlebe die schlimmste Zeit seines Lebens. Aus Angst vor Ärger mit den Demonstranten möchte er seinen Namen nicht nennen. Bis zu 200 Demonstranten trampelten über seine Felder und zeigten wenig Verständnis für die Landwirtschaft und die Produktion von Lebensmitteln. Besonders belastend sei, dass die Demonstrationen seine Tiere verängstigten, vor allem während der Kälberzeit, in der neue Jungtiere geboren werden. Der Landwirt fühlt sich in seiner Existenz bedroht.



