Im Ortsbeirat Warnemünde ist das kommunale Erinnerungskonzept der Hanse- und Universitätsstadt Rostock auf deutliche Kritik gestoßen. Kulturamtsmitarbeiter Florian Fordtran stellte das Papier am Dienstag, 12. Mai, vor. Mitglieder, darunter der CDU-Vertreter Jann-Henning Krause, bemängelten eine aus ihrer Sicht unausgewogene Schwerpunktsetzung.
DDR als Unrechtsstaat nicht genug beachtet
„Wenn ich die Seiten durch die KI laufen lasse und schaue, welche Begriffe sich sehr, sehr häufig wiederholen, dann sind das nicht ‚DDR‘ und ‚Unrechtsstaat‘, sondern ‚Rostock-Lichtenhagen‘, ‚rechte Gewalt‘, ‚Rassismus‘, ‚NSU-Aufarbeitung‘ und die ‚migrantische Opferperspektive‘“, so Krause. Es sei richtig, dass man über diese Ereignisse der jüngeren Zeitgeschichte spreche, betonte Krause. Dennoch erkenne er in dem Konzept eine „Schieflage“, durch welche die Opfer der DDR-Diktatur und der Widerstand gegen das kommunistische „Unrechtsregime“ zu kurz kämen.
„Viele Menschen kamen an der Ostseeküste ums Leben, weil sie aus der DDR flüchteten und die Freiheit suchten. Diese Menschen müssen gewürdigt werden“, forderte Krause.
Wie Fordtran erläuterte, basiere das Erinnerungskonzept auf einem Bürgerschaftsbeschluss und sei im Kulturamt in Abstimmung mit verschiedenen zivilgesellschaftlichen Akteuren, darunter auch dem „Bund der Vertriebenen“, entwickelt worden. Der Entwurf umfasse Grundsätze, Themenfelder, Aufgaben, Umsetzungsziele und Evaluierung. Ziel sei ein „zukunftsorientiertes Steuerungsinstrument“ für Rostocks Erinnerungskultur.
Dabei unterstrich er, dass ein Erinnerungsort am früheren DDR-Grenzübergang in Warnemünde, an dem die früheren Grenzzäune enthalten sein sollen, geplant sei. „Hier sollen Grenzregime, Überwachung, Flucht und Repression thematisiert werden.“
Fordtran betonte, dass die NS-Zeit, die 1990er-Jahre, die DDR und die Kolonialgeschichte als „Schwerpunktthemen“ im Erinnerungskonzept gesetzt seien. Die „Priorisierung des Nationalsozialismus“ folge der bundesweiten erinnerungskulturellen Linie. Eine „Gleichsetzung von NS-Regime und DDR-Diktatur“ sei abzulehnen.
Intensive Auseinandersetzung mit dem Konzept
Der Ortsbeirat Warnemünde hatte sich im Vorfeld der Sitzung im Rahmen eines Ausschusses intensiv mit dem kommunalen Erinnerungskonzept auseinandergesetzt und auf wichtige historische Hintergründe hingewiesen, welche aus seiner Sicht Beachtung in einer Erinnerungskultur der Stadt finden sollten. Dazu gehörten etwa die Stasi-Verbrechen des DDR-Regimes, die „Aktion Rose“, eine Enteignungsaktion, von der zahlreiche Hoteliers an der Ostseeküste betroffen waren, sowie staatliche Repressionen gegen Kirchen, etwa die Abtragung der Jakobikirche und die Sprengung der katholischen Christuskirche 1971.
„Erinnerungskultur ist ein wesentlicher Teil der Außenwahrnehmung einer Stadt, sodass wir eine Ausgewogenheit verschiedener historischer Abschnitte der Geschichte der Hanse-und Universitätsstadt Rostock einfordern“, sagte der Ortsbeiratsvorsitzende Axel Tolksdorff (Rostocker Bund). Dies treffe ebenfalls für Begrifflichkeiten zu.
Ein Vertagungsantrag für die Beschlussvorlage in der Bürgerschaft wurde angekündigt, um das Konzept zu überarbeiten. Ziel sei ein Konzept, das eine breitere Akzeptanz in der Stadtgesellschaft fände.



