Elementarteilchen Alarm! Deutschlands Zootiere sind zu alt. Die Demographiekrise erreicht nun auch die Tiergärten. Während vor den Gehegen junge Besucher dominieren, werden die Bewohner immer älter. Insbesondere bei Säugetieren ist die Überalterung ein wachsendes Problem.
Die Alten im Zoo
Im Frankfurter Zoo lebt das Bonoboweibchen Natalie, fast 60 Jahre alt. Sie sitzt gern auf einem beheizten Stein, ihr Fell ist lückig. Auch Flusspferd Petra (50) und Gorilladame Rebecca (43) zählen zu den Seniorinnen. Keine von ihnen pflanzt sich noch fort – damit fallen sie für die Erhaltungszucht bedrohter Arten aus.
Der Anteil fortpflanzungsfähiger Weibchen ist in europäischen Zoos zwischen 1970 und 2023 um 49 Prozent gesunken, in Nordamerika sogar um 68 Prozent. Das belegt eine aktuelle Studie. Die Frage ist: Wie können Zoos ihre Bestände verjüngen?
Kontrollierte Mortalität als Lösung?
Fachleute diskutieren zunehmend die „kontrollierte Mortalität“ überschüssiger Tiere durch „respektvolles humanes Töten“. Bei Fischen, Amphibien oder Reptilien wäre die Empörung vermutlich gering. Doch wie reagieren Menschen, wenn ältere Antilopen, Giraffen oder Schimpansen an Tiger und Löwen verfüttert würden?
Die Journalistin Julia Koch hat die Alten im Frankfurter Zoo besucht und mit Wissenschaftlern gesprochen. Ihr Artikel zeigt, wie sich eine heikle Einsicht unter Experten durchsetzt. Die Vergreisung der Zoobewohner erfordert drastische Maßnahmen, um den Arterhalt zu sichern.
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Bild der Woche: Mesopotamische Sümpfe
Im Süden des Irak liegen die mesopotamischen Sümpfe, ein ökologisch wertvolles Marschland, das von Menschen seit Jahrtausenden bewohnt wird. Die Unesco nahm das Feuchtgebiet 2016 in die kombinierte Liste des Weltkultur- und Weltnaturerbes auf. Doch seit Jahren herrscht bedrohliche Trockenheit, auch weil Staudämme an Euphrat und Tigris Wasser zurückhalten. Nun hat es heftig geregnet, und die Menschen fuhren mit ihrem Boot hinaus, um die gemarterte Erde zu sehen.



