Kretschmann lobt Merz und gesteht Atom-Fehler bei Lanz
Kretschmann lobt Merz und gesteht Atomfehler

Ein überraschender Auftritt von Winfried Kretschmann in der Talkshow von Markus Lanz. Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident lobte Friedrich Merz, gestand Fehler beim Atomausstieg ein und kritisierte zugleich das öffentliche Gezänk in der Koalition.

Kritik an Merz und der Koalition

Nur einen Tag nach der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags zwischen Kretschmanns Nachfolger Cem Özdemir und Manuel Hagel griff Kretschmann den Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz scharf an. „Man streitet nicht dauernd öffentlich rum. Man stellt nicht Forderungen auf, von denen man weiß, dass der Koalitionspartner das gar nicht machen wird. Das ist einfach schlechtes Handwerk. Man muss das hinter den Kulissen machen!“, wetterte er. Die Öffentlichkeit habe ein Anrecht darauf, „dass wir sie ordentlich regieren und nicht rumzerfen“. Er kritisierte, dass die Ampel-Koalition nun ähnlich weitermache und eine Ministerin dem anderen offen widerspreche. „So kann man einfach nicht arbeiten!“

Stephan Weil bremst Kretschmann

Niedersachsens Ex-Ministerpräsident Stephan Weil widersprach Kretschmann: „Es ist jetzt ein bisschen seltsam, wenn ich das so sage, aber er (Merz) macht ja vielleicht auch mehr richtig, als so im Allgemeinen öffentlich diskutiert wird.“ Merz spiele im europäischen Bereich eine sehr vernünftige, gute Rolle. „Es fällt mir als anständigem Sozialdemokraten wirklich nicht leicht, den CDU-Kanzler allzu sehr zu loben, aber dieser allgemeine Verriss, das ist jetzt auch nicht ganz der Sache gerecht.“

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Lob für Merz’ Außenpolitik

Daraufhin lenkte Kretschmann ein und lobte Merz ebenfalls: „Er macht außenpolitisch einen guten Job, schlichtweg.“ Beim Thema Arbeit übernahm der Grüne dann fast wörtlich zentrale Forderungen des Kanzlers: „Die Schweizer arbeiten schon 200 Stunden mehr. Es muss jetzt auch ein Ruck durch die Bevölkerung gehen, dass wir die Potenziale, die da sind, auch schöpfen.“ Die Menschen müssten „wieder wirklich ranklotzen“, und wenn sie etwa bei Start-ups „14 Stunden am Tag schaffen, dann schaffen sie 14 Stunden am Tag. Ende der Durchsage!“

Eingeständnis beim Atomausstieg

Auf Lanz’ Frage, ob es ein Fehler gewesen sei, die Atommeiler so schnell abzuschalten, antwortete Kretschmann zunächst: Nein. Aber „wir hätten überlegen können, ob man die bestehenden nicht noch mal auf Jahre hin länger laufen lässt. Das hätte man machen können.“ Auf Nachfrage, ob man das sogar hätte machen müssen mit Blick auf die Strompreise, gestand Kretschmann: „Ja. Hätte man aus heutiger Sicht auch machen müssen.“

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