Berlin - Die Demokratie in Deutschland genießt einer aktuellen Studie zufolge weiterhin breite Unterstützung in der Bevölkerung, auch wenn viele Bürgerinnen und Bürger in der praktischen Umsetzung deutliche Schwächen sehen. Dies geht aus dem „Demokratiemonitor 2026“ der Bertelsmann Stiftung hervor, den Studienautor Robert Vehrkamp am Montag in Berlin präsentierte.
Hohe Zustimmung zu demokratischen Werten
82 Prozent der rund 5.000 Befragten bewerteten die grundlegenden Werte der liberalen Demokratie überdurchschnittlich positiv. „Das ist ein enorm hoher Wert“, betonte Vehrkamp. Besonders groß ist der Rückhalt für das Prinzip von Wahlen: Neun von zehn Befragten stehen dahinter. Auch andere zentrale Säulen der Demokratie wie Parlament, Regierung, Gewaltenteilung oder Bürgerrechte erhalten jeweils von gut acht von zehn Befragten Unterstützung. Selbst Parteien finden bei 77 Prozent der Teilnehmenden Zustimmung.
Kritik an der praktischen Umsetzung
Ganz anders sieht das Bild jedoch aus, wenn es um die tatsächliche Funktionsweise der Demokratie geht, die sogenannte Performanz. Hier liegt der Durchschnittswert bei lediglich 29 Prozent, wie Vehrkamp erläuterte. Auch in dieser Kategorie schneiden die Wahlen am besten ab: 65 Prozent der Befragten sind mit der Praxis zufrieden. Bei den Bürgerrechten sind es nur 35 Prozent, bei der Gewaltenteilung 34 Prozent, beim Parlament 31 Prozent. Die Parteien in der Praxis kommen sogar nur auf 17 Prozent. Immerhin haben sich die Werte in allen diesen Bereichen im Vergleich zu 2019 verbessert. Die größten Zugewinne von jeweils fünf Prozentpunkten verzeichnen Parlament und Parteien.
Kein Grund für Alarmismus
Aus den Ergebnissen ziehen Vehrkamp und Co-Autor Michael Koß den Schluss, dass Kritik an Schwächen der Demokratie deren grundsätzliche Akzeptanz nicht untergräbt. „Die meisten Menschen in Deutschland schätzen die Demokratie auch dann, wenn sie in der Praxis nicht perfekt funktioniert“, heißt es in der Studie. Die Wahrnehmung von Defiziten sei daher kein Grund für Alarmismus. „Zu einem Problem werden geringe Zufriedenheitswerte erst dann, wenn sie auch die Legitimität der Demokratie als solcher beschädigen“, erklärte Vehrkamp. „Das ist aber nach den Ergebnissen unserer Studie in Deutschland noch nicht einmal ansatzweise der Fall.“
Dennoch seien Anstrengungen für ein besseres Funktionieren der Demokratie keinesfalls überflüssig – die Ergebnisse seien kein „demokratiepolitisches Ruhekissen“, schreiben die Autoren. „Aber als Zeichen für die Stabilität und Resilienz unserer Demokratie sollten sie auch nicht übersehen, unterschätzt oder kleingeredet werden.“
Komplexes Studiendesign
Für den „Demokratiemonitor 2026“ wurden zwischen 2019 und 2025 sechsmal jeweils mehr als 5.000 Menschen befragt. Mit 72 Fragen wurden acht Kategorien sowohl auf die grundsätzliche Unterstützung als auch auf die Zufriedenheit mit der Praxis abgeklopft: Wahlen, Öffentlichkeit (insbesondere Meinungs- und Pressefreiheit), Parlament, Regierung, Gewaltenteilung, Bürgerrechte, Partizipation (politisches Engagement jenseits von Wahlen) und Parteien. Die Befragten konnten ihre Zustimmung auf einer Skala von eins (stimme überhaupt nicht zu) bis sieben (stimme voll und ganz zu) einordnen. Für die genannten Unterstützungswerte wurden die Werte fünf bis sieben zusammengefasst.
Nur eine Kategorie mit Rückgang
Die Forscher errechneten zudem Gesamtwerte aus den Antworten zur grundsätzlichen Unterstützung (Legitimität) und zur Praxis (Performanz). Daraus ergeben sich folgende Unterstützungswerte: Wahlen 78 Prozent (plus drei Punkte im Vergleich zu 2019); Bürgerrechte 58 Prozent (plus 1); Gewaltenteilung 58 Prozent (plus 4); Öffentlichkeit 57 Prozent (plus 1); Parlament 57 Prozent (plus 4); Regierung 52 Prozent (plus 2); Parteien 47 Prozent (plus 5); und Partizipation 47 Prozent (minus 1).



