Ein neues Pilotprojekt soll die Arbeit der Polizei bei Notrufen revolutionieren: Wer die 110 wählt, kann künftig deutlich genauer geortet werden. Gerade in Stresssituationen fällt es vielen Menschen schwer, den eigenen Standort exakt zu beschreiben. Ob im Wald, auf einer Landstraße oder mitten in einer unübersichtlichen Umgebung – oft fehlen klare Orientierungspunkte. Der neue Test setzt genau hier an und verspricht schnellere Hilfe.
Präzisere Ortung im Ernstfall
Nach Angaben der Polizei Nordrhein-Westfalen läuft ein bundesweiter Pilotbetrieb, bei dem Handy-Anrufe bei der 110 auf wenige Meter genau lokalisiert werden können. Für Anrufer bleibt dabei alles wie gewohnt. Sie wählen weiterhin die Notrufnummer und schildern die Lage. Im Hintergrund greifen Leitstellen jedoch auf zusätzliche Standortdaten zu, die das Smartphone automatisch übermittelt. Eine manuelle Freigabe oder eine zusätzliche App sind nicht nötig.
Technik arbeitet automatisch im Hintergrund
Die Grundlage dafür ist Advanced Mobile Location, kurz AML. Diese Technik ist bei Android-Geräten ab Version 4.0 und bei iPhones ab iOS 13.3 verfügbar. Wird ein Notruf abgesetzt, ermittelt das Gerät eigenständig den Standort und sendet ihn an einen zentralen Speicher. Die Polizei kann diese Daten nutzen, wenn es um Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit geht oder wenn sie zur Verfolgung einer Straftat benötigt werden.
Keine dauerhafte Überwachung
Wichtig ist: Eine dauerhafte Ortung findet nicht statt. AML wird nur aktiv, wenn tatsächlich ein Notruf gewählt wird. Die Daten werden außerdem nur für 60 Minuten gespeichert und anschließend automatisch gelöscht. Bewegungsprofile entstehen nicht; der Zugriff ist streng auf den akuten Einsatz begrenzt.
Beim Notruf 112 ist AML bereits seit Oktober 2019 bundesweit im Einsatz. Bei der Polizei gestaltet sich die Einführung schwieriger, da jedes Bundesland eigene Regelungen treffen muss. Wann die Technik flächendeckend bei der 110 verfügbar sein wird, ist derzeit noch unklar.



