Bäckermeister Kütscher rechnet in offenem Brief mit Klingbeil ab
Bäcker rechnet mit Klingbeil ab

Offener Brief an den SPD-Chef: Bäcker rechnet mit Klingbeil ab

Koblenz – Er ist Bäckermeister, stand jahrelang an der Spitze der Akademie des Deutschen Bäckerhandwerks, ist bekannt aus dem TV. Bernd Kütscher (57) weiß, wovon er spricht. Nicht nur am Ofen, sondern auch als Unternehmer. Jetzt hat er Finanzminister Lars Klingbeil (48, SPD) einen offenen Brief geschrieben. Aus Wut und Verzweiflung.

Die Vorgeschichte: Klingbeil als Brotbotschafter

Die beiden kennen sich, weil Klingbeil im Mai 2023 vom Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks offiziell für ein Jahr zum „Brotbotschafter“ ernannt wurde. Damals wurde Klingbeil in der Festrede als „jung, ambitioniert und leidenschaftlich“ gelobt, als engagierter Politiker, „der sein Ohr an der Basis hat und zuhört“. Heute wirkt Kütscher enttäuscht von Klingbeil. BILD veröffentlicht Auszüge aus dem Brief des Bäckermeisters:

„Lieber Lars Klingbeil, vor genau drei Jahren standen wir abends nebeneinander. Vor drei Jahren wurden Sie zum Brotbotschafter ernannt. Heute sind Sie Finanzminister. Ich selbst trage inzwischen Verantwortung für über 2000 Menschen. Immer öfter höre ich, dass trotz guter Löhne und Überstunden am Monatsende weniger übrig bleibt. Herr Klingbeil, Sie haben letztes Jahr 990 Milliarden Steuern eingenommen. Fast eine Billion – absoluter Rekord! Dazu 600 Milliarden ‚Sondervermögen‘. Ein neuer Name für neue Schulden. 2026 kommen 180 Milliarden dazu. Bis 2029 planen Sie mit weiteren 800 Milliarden Schulden. Die Zinsen werden uns bald ruinieren.

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Falsche Weichenstellung sorgt für Stellenabbau

Trotzdem funktioniert vieles nicht. Weder Bahn noch Bildung, weder Brücken noch Bundeswehr. Auch in Digitalisierung wurde viel zu wenig investiert. Stattdessen lese ich von Milliarden für Klimafinanzierung im Ausland, von fast 200 Milliarden Sozialausgaben allein im Bundeshaushalt, von 305 Milliarden für das Personal der öffentlichen Hand. Während die Wirtschaft durch falsche Weichenstellungen immer mehr Stellen abbauen muss, leisten sich Bund, Länder und Kommunen immer mehr Personal und erzeugen so nebenbei immer mehr Bürokratie. Hier sind die Prioritäten verrutscht.

Umverteilung? „Klingt sozial. Ist es nicht“

Ihre Antwort, Herr Klingbeil? Forderung nach noch höheren Steuern. Noch mehr Umverteilung von oben nach unten. Klingt sozial. Ist es nicht. Irgendjemand muss leisten. Früh aufstehen, Risiko tragen, Backöfen anheizen. Diese Menschen werden ausgepresst, während der Staat immer fetter wird. Deshalb verlassen immer mehr Menschen unser Land. Auch Firmen und Arbeitsplätze.

Die Quittung haben Sie längst: Ihre Partei war einmal Volkspartei mit über 45 Prozent. Heute steht die SPD bei 12, Tendenz fallend. Ich erinnere Sie an Ihren Amtseid: den Nutzen des Volkes zu mehren und Schaden von ihm abzuwenden. ‚Das deutsche Volk‘ ist im Grundgesetz kein ethnischer Begriff. Es ist die Gemeinschaft derer, die diesen Staat tragen. Die etwas leisten und zur Gesellschaft beitragen wollen. Egal aus welchem Land. Heute habe ich zum ersten Mal politisch den Mund aufgemacht. Es muss etwas passieren. Bald.“

So reagiert der Finanzminister auf den offenen Brief

Und was sagt Klingbeil? Posts in sozialen Medien würden grundsätzlich nicht kommentiert, heißt es aus Kreisen des Ministeriums. Man nehme jedoch „die wirtschaftliche Lage der Unternehmen sehr ernst, auch des Bäckerhandwerks“. Deshalb habe „die Bundesregierung zahlreiche Maßnahmen getroffen, um Energiekosten zu senken und Investitionen steuerlich zu erleichtern“.

Man senke die Unternehmenssteuern und baue Bürokratie ab. Und: „Die öffentlichen Investitionen sind aktuell der wichtigste Impuls für wirtschaftliches Wachstum in Deutschland und dienen der Modernisierung des Landes.“

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