Die US-Geheimdienste widersprechen Präsident Donald Trumps Darstellung, dass Irans Militär durch die gemeinsamen US-israelischen Angriffe weitgehend zerstört sei. Laut einem Bericht der New York Times unter Berufung auf vertrauliche Geheimdienstdokumente hat Iran den operativen Zugang zu 30 von insgesamt 33 Raketenstellungen an der strategisch wichtigen Straße von Hormus wiedererlangt. Dies bedeutet, dass die Bedrohung für den zivilen Schiffsverkehr und die US-Marine weiterhin besteht.
Widerstandsfähigkeit der iranischen Stellungen
Die US-israelischen Luftangriffe konnten die iranischen Raketenstellungen offenbar nicht dauerhaft ausschalten. Abhängig vom Schadensausmaß sei Iran weiterhin in der Lage, in Bunkern geschützte Raketen und Marschflugkörper zu anderen Standorten zu transportieren. In einigen Fällen seien auch Abschussstellungen neben den Depots intakt geblieben. Nur drei der 33 Stellungen seien völlig zerstört oder unzugänglich.
Landesweite Einschränkungen gering
Auf das gesamte Land bezogen sind die Einschränkungen für die iranischen Raketenstellungen nicht massiv. Geheimdiensterkenntnisse und Satellitenaufnahmen deuten darauf hin, dass Iran Zugang zu 90 Prozent seiner unterirdisch eingelagerten Bestände an ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Startvorrichtungen wiedererlangt hat. Die Stellungen werden als teilweise oder voll einsatzbereit eingestuft. Zudem seien 70 Prozent der mobilen Startgeräte einsatzbereit und die Raketenvorräte lägen bei etwa 70 Prozent des Vorkriegsniveaus.
Heikle Enthüllung für Trump
Die internen Befunde widersprechen der Erfolgsgeschichte, die Trump und sein Verteidigungsminister Pete Hegseth seit Wochen verbreiten. Trump hatte bereits im März getönt, von Iran sei „im militärischen Sinne nichts mehr übrig“. Hegseth erklärte am 8. April, die Operation Epic Fury habe Irans Militär „dezimiert und auf Jahre hinaus kampfunfähig gemacht“. Die Geheimdienstinformationen datieren auf einen Zeitpunkt weniger als einen Monat nach Hegseths Pressekonferenz.
Reaktionen aus dem Weißen Haus
Das Weiße Haus reagierte gereizt auf die Enthüllung. Sprecherin Olivia Wales bekräftigte Trumps Darstellung, Irans Militär sei „zerschlagen“. Jeder, der glaube, Iran habe sein Militär wiederaufgebaut, sei „entweder wahnhaft oder ein Sprachrohr“ für die Revolutionswächter. Trump selbst schrieb auf Truth Social, die Behauptungen der „Fake News“ seien „praktisch VERRAT“. Auch das Pentagon wies den Bericht zurück und warf der New York Times vor, als PR-Agent für das iranische Regime zu agieren.
Munitionsbestände der USA stark belastet
Trump und das Pentagon stehen bereits wegen Berichten unter Druck, wonach der Irankrieg die US-Munitionsvorräte stark belastet hat. Die USA sollen rund 1100 Tarnkappen-Marschflugkörper und mehr als 1000 Tomahawk-Marschflugkörper eingesetzt haben – zehnmal mehr Tomahawks als normalerweise jährlich bestellt werden. Zudem wurden über 1300 Patriot-Lenkflugkörper verbraucht, etwa das Doppelte der Jahresproduktion 2025. Das Auffüllen der Vorräte könnte Jahre dauern und ausländische Bestellungen von US-Systemen verzögern.
Neue Satellitenbilder bestätigen zudem schwere Verluste der US-Streitkräfte im Krieg mit Iran. Washington hatte den Krieg offenbar nicht ausreichend vorbereitet.



