Im Skandal um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat US-Handelsminister Howard Lutnick bei einer nicht öffentlichen Anhörung Erinnerungslücken angegeben. Lutnick habe vor dem Kongressausschuss nicht erklären können, warum er und seine Familie 2012 auf Epsteins Privatinsel mit diesem zu Mittag gegessen hätten, sagten Ausschussmitglieder am Mittwoch.
Widersprüchliche Aussagen des Handelsministers
Der demokratische Abgeordnete Suhas Subramanyam erklärte, Lutnick habe auf wiederholte Nachfragen geantwortet, er erinnere sich nicht und könne es sich selbst nicht erklären. Der republikanische Ausschussvorsitzende James Comer betonte dagegen, Lutnick habe nachvollziehbar ausgesagt. Epstein habe erfahren, dass die Familie auf den nahegelegenen Jungferninseln Urlaub mache, und sie eingeladen.
Lutnick gab im Februar vor dem US-Senat zu, im Jahr 2012 Epsteins private Karibikinsel Little St. James besucht zu haben. Er sei mit seiner Frau, seinen Kindern sowie deren Kindermädchen im Familienurlaub auf der Insel gewesen. Vor Ort sei ihm nichts Ungewöhnliches aufgefallen, er habe nur Epsteins Mitarbeiter gesehen.
Frühere Aussagen im Widerspruch
Die Angaben über das zweistündige Treffen auf der Insel stehen im Widerspruch zu früheren Aussagen Lutnicks. Der ehemalige Chef des Finanzdienstleisters Cantor Fitzgerald hatte im vergangenen Jahr in einem Podcast erklärt, er habe sich nach einem Vorfall um das Jahr 2005 geschworen, sich nie wieder in einem Raum mit Epstein aufzuhalten. Damals habe Epstein, der sein direkter Nachbar in Manhattan war, bei einer Hausführung eine sexuell anzügliche Bemerkung über eine Massageliege gemacht.
Der Republikaner Comer räumte ein, Lutnick sei bezüglich des Inselbesuchs zuvor nicht ehrlich gewesen. Sollte sich herausstellen, dass er den Kongress belogen habe, werde er zur Rechenschaft gezogen, sagte Comer.
Neue Dokumente belasten Lutnick
Das Justizministerium in Washington hatte Ende Januar rund drei Millionen neue Dokumente zu dem Fall veröffentlicht. Darin war erstmals von Lutnicks Besuch auf der Epstein-Insel die Rede und von weiteren Kontakten. So wurde der Handelsminister in dem Ausschuss zu Dokumenten befragt, die darauf hindeuten, dass Epstein eines der Kindermädchen Lutnicks kennenlernen wollte. Das habe nichts mit ihm zu tun, sagte Lutnick. „Ich habe nichts zu verbergen, absolut nichts.“
Rücktritt gefordert
Nach der Veröffentlichung der Akten waren Rücktrittforderungen an Lutnick laut geworden. Druck machten vor allem Kongressmitglieder der oppositionellen Demokraten. Senator Adam Schiff warf dem Handelsminister „Lügen über seine Geschäftsbeziehungen mit einem verurteilten Kinderschänder“ vor. „Er sollte unverzüglich zurücktreten“, verlangte Schiff. Auch der republikanische Abgeordnete Thomas Massie forderte, Lutnick solle Präsident Donald Trump „das Leben erleichtern und einfach zurücktreten“.
Hintergrund des Epstein-Skandals
Epstein soll nach Erkenntnissen des FBI und des US-Justizministeriums mehr als tausend Minderjährige und junge Frauen missbraucht haben. Teilweise soll er die Opfer an Prominente vermittelt haben. Epstein war 2008 verurteilt worden, weil er eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet hatte. Nach einem umstrittenen Deal mit der Staatsanwaltschaft saß er nur knapp 13 Monate Haft ab. Im Jahr 2019 wurde er wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen und nahm sich kurz darauf in seiner Gefängniszelle in Manhattan das Leben.



