In Berlin ringen die Politiker mit großen Reformen in den Bereichen Rente, Gesundheit und Tankrabatt. Doch in der Bevölkerung wächst der Frust über die Regierung. Das spiele der AfD in die Karten und sei vermeidbar, sagt Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Linke) im Interview mit der Mitteldeutschen Zeitung. Der 70-jährige Ex-Ministerpräsident von Thüringen äußerte sich am Rande eines Besuches in Halle zu aktuellen politischen Themen und zog dabei auch Lehren aus der DDR-Zeit.
Kritik an den Reformen der Bundesregierung
Ramelow bezeichnete die aktuellen politischen Entscheidungen als „alles Käse“. Er bemängelte, dass die Reformen viele Bürger finanziell belasten und das Vertrauen in die Politik untergraben. „Tankrabatt, Gesundheitsreform, Rentendebatte – das sind alles Maßnahmen, die die Menschen nicht entlasten, sondern verunsichern“, so Ramelow. Dies treibe die Wähler in die Arme der AfD, die von der Unzufriedenheit profitiere.
Lehren aus der DDR und die Rolle des Ostens
Der Linken-Politiker forderte, aus der Geschichte der DDR zu lernen. „Im Osten wissen wir, was es heißt, wenn Politik an den Menschen vorbei gemacht wird“, sagte er. Er plädierte für eine stärkere Berücksichtigung ostdeutscher Perspektiven in der Bundespolitik. Ramelow betonte, dass die AfD vor allem dort stark sei, wo die Politik die Sorgen der Menschen nicht ernst nehme.
Holzhacken als Ausgleich
Auf die Frage, wie er persönlich mit dem politischen Stress umgehe, antwortete Ramelow schmunzelnd: „Holzhacken hilft mir, den Kopf freizubekommen.“ Er sehe darin eine sinnvolle Tätigkeit, die Kraft gebe und Klarheit schaffe. Dieses Hobby praktiziere er regelmäßig in seiner thüringischen Heimat.
Blick auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Mit Blick auf die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt warnte Ramelow vor einem weiteren Erstarken der AfD. Er appellierte an die demokratischen Parteien, geschlossen gegen Rechtspopulismus aufzutreten und konkrete Lösungen für die Probleme der Menschen anzubieten. „Die Menschen wollen keine einfachen Parolen, sondern echte Verbesserungen“, so Ramelow.



