Schweizer "Tatort" mit Hollywood-Regisseur: Spannung und Moral
Schweizer Tatort: Hollywood-Regisseur mischt mit

Der neue Zürich-„Tatort“ mit dem Titel „Könige der Nacht“ verspricht Hochspannung und moralische Dilemmata. Hollywood-Regisseur Claudio Fäh, bekannt für Actionfilme wie „Sniper: Homeland Security“, gibt sein Debüt in der Krimireihe und sorgt für eine düstere, thrillerartige Inszenierung.

Der Fall: Eine Pizza-Lieferung führt ins Verderben

Die Fahrradkurierin Moya, eine aus Äthiopien geflüchtete junge Frau ohne Aufenthaltsgenehmigung, liefert drei Pizzen in ein Penthouse. Was wie eine normale Party aussieht, entpuppt sich als Tatort. Beim Verlassen des Gebäudes versteckt sie sich vor Wachleuten und beobachtet, wie zwei Personen eine Leiche in einem Sack entsorgen. Sie flieht knapp, verliert dabei den Ausweis ihrer Freundin und wagt aus Angst vor Abschiebung nicht, zur Polizei zu gehen.

Die Leiche des jungen drogenabhängigen Sexarbeiters Ruven wird am nächsten Tag im Wasser gefunden. Die Kommissarinnen Tessa Ott (Carol Schuler) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) übernehmen die Ermittlungen. In Ruvens Wohnung überraschen sie zwei entlassene Häftlinge, die eine Kamera suchen. Offenbar wollten sie einen Richter erpressen, den einer von ihnen einst verknackt hatte.

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Ein zweiter Mord und eine verängstigte Zeugin

Kurz darauf wird Moyas Freundin in einen Hinterhalt gelockt und totgefahren. Die Ermittlerinnen stehen vor zwei Mordfällen und stoßen auf eine Verbindung. Sie spüren Moya auf, gespielt von Nambitha Ben-Mazwi, die mit ihrer Mimik tausend Emotionen transportiert. In einer Gegenüberstellung identifiziert sie ausgerechnet den neuen IT-Spezialisten Justus Reynier (Basil Eidenbenz) als einen der Täter, was die Ermittlungen verkompliziert.

Die Spur führt zum Penthouse-Besitzer. Was geschah in jener Nacht? Der Fall wird immer bizarrer, und Regisseur Claudio Fäh nutzt die Gelegenheit, aus der Thriller-Trickkiste zu schöpfen: Ein langes Messer, viel Blut und ein irrer Manipulator sorgen für Gänsehaut. Besonders beklemmend ist eine Szene, in der der Zuschauer schemenhaft eine Plastiktüte sieht, als würde sie ihm selbst aufs Gesicht gedrückt – untermalt von einem bedrohlichen Sound.

Gewissenskonflikte der Kommissarinnen

In diesem Fall stehen nicht die sozialen Unterschiede der Ermittlerinnen im Vordergrund, sondern ihr gemeinsamer Gewissenskonflikt. Staatsanwältin Anita Wegenast (Rachel Braunschweig) besteht darauf, Moya als illegale Einwanderin in ein Abschiebezentrum zu bringen, obwohl die Kommissarinnen ihr Schutz zugesagt haben. Carol Schuler sagt über ihre Figur Tessa Ott: „Sie versucht, auch als Polizistin stets Mensch zu bleiben.“ Doch die Menschlichkeit wird auf eine harte Probe gestellt. Einerseits das Gesetz, andererseits das Mitgefühl für Moya, deren Not sie nachvollziehen können. Die Gesetzeshüterinnen finden einen unkonventionellen Ausweg aus diesem Dilemma.

Der „Tatort: Könige der Nacht“ wird am Sonntag um 20.15 Uhr ausgestrahlt und ist der letzte Sonntagskrimi vor der Sommerpause. Er verspricht nicht nur Spannung, sondern auch eine tiefgründige Auseinandersetzung mit Themen wie Ausbeutung, Migration und Menschlichkeit.

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