Erfurt - Während das juristische Verfahren um den entzogenen Doktortitel von Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) noch läuft, sorgt die AfD-Fraktion mit einem eigenen Gutachten für neue Diskussionen. Die Fraktion hat bei dem österreichischen Kommunikationswissenschaftler und sogenannten Plagiatsjäger Stefan Weber ein Gutachten in Auftrag gegeben und bezahlt, das am kommenden Mittwoch in Erfurt präsentiert werden soll.
AfD wirft Voigt schwere Mängel vor
In der Einladung zu der Präsentation heißt es: „Neues Gutachten belastet Mario Voigts Doktorarbeit schwer.“ AfD-Fraktionsvize Daniel Haseloff erklärte in der Landespressekonferenz, es gehe der Fraktion um den Inhalt der von der Technischen Universität Chemnitz beanstandeten Dissertation. Man wolle wissen, „wie der Ministerpräsident tickt“ und welche „charakterlichen Züge“ er habe. Haseloff betonte, man wolle keinen Einfluss auf das von Voigt in Aussicht gestellte Verwaltungsgerichtsverfahren gegen den Entzug des Doktortitels nehmen.
Scharfe Kritik aus anderen Fraktionen
CDU-Fraktionschef Andreas Bühl bezeichnete das Vorgehen der AfD als bezeichnend. Sie lasse ihre Maske fallen. Möglicherweise werde nun klar, „wer der Initiator der Vorwürfe“ gegen Voigt sein könnte. Er sprach von einer Schmutzkampagne während eines laufenden rechtsstaatlichen Verfahrens. Auch die Koalitionspartner BSW und SPD übten Kritik. BSW-Fraktionsvorsitzende Sigrid Hupach nannte das Ganze ein Manöver der AfD, „um für Aufregung zu sorgen“. SPD-Fraktionschef Lutz Liebscher betonte, dass der Plagiatsjäger von der AfD bezahlt wurde, spreche für sich. Linke-Fraktionschef Christian Schaft bezeichnete die Präsentation als „lächerliche PR-Aktion“.
Hintergrund: Entzug des Doktortitels
Die Technische Universität Chemnitz hatte Voigt vor mehreren Wochen den Doktortitel entzogen, nachdem eine Prüfung seiner Arbeit unsaubere Passagen ergeben hatte. Der CDU-Politiker legte Widerspruch ein und will, wenn nötig, gerichtlich gegen die Entscheidung vorgehen. „Der wissenschaftliche Kern meiner Arbeit ist von den Vorwürfen nicht betroffen“, hatte Voigt erklärt. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.



