Marius-Prozess: Kronprinzessin Mette-Marit besucht Sohn in U-Haft - Zeugenaussage zu Schlaftablette
Oslo (Norwegen) – Der Strafprozess gegen Marius Borg Høiby (29), Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit (52), geht in die entscheidende Phase. Am achten Verhandlungstag steht das dritte mutmaßliche Opfer weiter im Zeugenstand. Die Staatsanwaltschaft wirft Høiby vor, die Frau am Palmsonntag 2024 sexuell missbraucht zu haben, während sie aufgrund einer eingenommenen Schlaftablette in tiefem Schlaf lag. Marius Borg Høiby drohen bis zu 16 Jahre Haft, er befindet sich derzeit in Untersuchungshaft.
Die Vorwürfe im Detail
Im Zentrum des neuen Falls steht der Vorwurf, dass Høiby die Situation ausnutzte, als die Frau nicht in der Lage war, sich zu widersetzen. Laut Anklage handelt es sich um sexuellen Missbrauch ohne Geschlechtsverkehr. Die Ermittler fanden fünf Videos aus der betreffenden Nacht, die den mutmaßlichen Übergriff zeigen sollen. Diese Beweismittel werden am Nachmittag im Rahmen der Befragung von Marius Borg Høiby thematisiert.
Besuch der Kronprinzessin im Gefängnis
In einer emotionalen Geste besuchte Kronprinzessin Mette-Marit ihren Sohn am Donnerstagabend in der U-Haft. Um 19.30 Uhr fuhr ein kleiner Konvoi aus zwei schwarzen BMW-SUVs auf das Gefängnisgelände in Oslo. Die Scheiben waren verdunkelt, die Eskorte diskret – auf dem Rücksitz eines Fahrzeugs saß die Kronprinzessin. Nach etwas mehr als einer Stunde verließ der Konvoi das Gelände wieder um 20.33 Uhr.
Veränderte Haftbedingungen für Marius
Bislang genoss Marius Borg Høiby während der Gerichtspausen Sonderbehandlung: Er durfte im Osloer Amtsgericht in einem Raum mit seinen zwei Anwälten sitzen, während U-Häftlinge normalerweise in eine Zelle im Keller des Gerichts gebracht werden. Diese Ausnahme wurde mit gesundheitlichen Gründen begründet. Doch damit ist es nun vorbei, wie die Staatsanwaltschaft gestern mitteilte.
Die rechtliche Dimension
Die entscheidende Frage im Prozess lautet: Wie viel bekommt eine Person in einer Situation mit, in der sie aufgrund von Schlaf oder Trunkenheit nicht widerstandsfähig ist? Diese Klärung ist wesentlich für die Einordnung als sexueller Missbrauch. Im aktuellen Fall kommt die Besonderheit hinzu, dass das mutmaßliche Opfer bewusst eine Schlaftablette eingenommen hatte und somit vermutlich in festem Schlaf war.
Der Prozess gegen den Sohn der Kronprinzessin zieht nicht nur in Norwegen, sondern international große Aufmerksamkeit auf sich. Die Vorwürfe wiegen schwer und könnten Marius Borg Høiby für viele Jahre hinter Gittern bringen. Die heutige Verhandlung mit der weiteren Zeugenaussage und der anschließenden Befragung des Angeklagten könnte wichtige Weichen für den weiteren Prozessverlauf stellen.



