Marius-Prozess: Mutmaßliches Opfer schildert traumatische Nacht auf den Lofoten
Im fünften Verhandlungstag des aufsehenerregenden Prozesses gegen Marius Borg Høiby (29) in Oslo herrschte gespannte Stille, als das mutmaßliche Opfer seine Aussage machte. Der Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit (52) muss sich unter anderem wegen vier mutmaßlicher Vergewaltigungen verantworten – Vorwürfe, die er entschieden bestreitet.
Eine Begegnung, die zum Albtraum wurde
Die junge Frau, deren Identität aus rechtlichen Gründen nicht preisgegeben wird, schilderte dem Gericht eine Begegnung auf den Lofoten, einer abgelegenen Inselgruppe in Nordnorwegen. Was zunächst als harmloses Tinder-Match begann, entwickelte sich zu einem traumatischen Erlebnis, das sie als „größten Albtraum“ beschreibt.
„Wir kannten uns nicht“, betonte die Zeugin während ihres dreistündigen Verhörs. Marius Borg Høiby war damals mit seinem Stiefvater, Kronprinz Haakon (52), zum Surfen auf den Lofoten. Nach einem Treffen in einer Bar ging die junge Frau mit ihm in ihre gemeinsame Wohnung, in der Müdigkeit sie übermannte.
Die Nacht, die alles veränderte
Mit brüchiger Stimme schilderte die Frau die Ereignisse jener Nacht. Nach einvernehmlichem Geschlechtsverkehr schlief sie ein, wachte jedoch später unter schmerzhaften Umständen wieder auf. „Ich bin aufgewacht, weil es weh tat“, erklärte sie gegenüber der Staatsanwaltschaft. Der Schmerz und der darauffolgende Schock seien überwältigend gewesen.
In ihrer Aussage beschrieb sie, wie sie aus Angst die Augen schloss, um nicht Zeugin ihres eigenen Missbrauchs werden zu müssen. „Der Körper war darauf nicht vorbereitet“, fügte sie hinzu und unterstrich damit das Gefühl der Hilflosigkeit in dieser Situation.
Zwei Versionen, eine ungelöste Frage
Die Staatsanwaltschaft präsentierte als Beweismittel ein Video, das um 4.58 Uhr im Oktober 2023 aufgenommen wurde und den nackten Bauch der mutmaßlich Geschädigten zeigt. Marius Borg Høiby soll diese Aufnahme angefertigt haben, während er die Frau vergewaltigte.
Die Daten ihrer Pulsuhr zeigen eine ruhige Kurve bis 5.06 Uhr – etwa acht Minuten nach Beginn der Videoaufzeichnung. Dann folgt ein plötzlicher Anstieg, der möglicherweise mit dem Aufwachen oder dem Einsetzen von Panik zusammenhängt. „Ich erkenne meinen eigenen Körper nicht wieder“, sagte die Frau über das Video. „Ich will nicht, dass ich es bin. Aber ich sehe ein, dass ich es sein muss.“
Gegenüberstellung der Aussagen
Marius Borg Høiby bestreitet die Vorwürfe vehement. In seiner Aussage betonte er: „Ich habe keinen Sex mit Frauen, die schlafen.“ Seine Anwältin Ellen Holager Andenæs konfrontierte das mutmaßliche Opfer mit der Frage, ob sie während des letzten Geschlechtsverkehrs ihren Unwillen geäußert habe.
Die Antwort der jungen Frau war deutlich: „Beim letzten Mal habe ich nichts gesagt. Es war nicht freiwillig. Ich konnte nichts sagen.“ Sie beschrieb zusätzlich Details wie Licht im Dunkeln, ein Handy und eine Taschenlampe auf ihrem Unterleib.
Zwei Versionen der Ereignisse prallen im Gerichtssaal aufeinander und schaffen zwei unterschiedliche Welten. Während die eine Seite von einem traumatischen Albtraum spricht, beharrt die andere auf Unschuld und Einvernehmlichkeit. Der Prozesstag lastete schwer auf allen Beteiligten und wirft grundlegende Fragen über Konsens und Grenzen auf.



